Montag, 29. Oktober 2018

Windlicht, Eisenerz und Drehtermin

Fast beschaulich geht die diesjährige Saison im Museumsdorf Hösseringen zu Ende. Bevor am kommenden Mittwoch noch einmal zu Stockbrotbacken, Schmieden und Führung eingeladen ist, waren auch gestern Weberei, Pferdegöpel und Schmiede in Betrieb. Doch trotz des eher ruhigen Museumstages herrschte an diesem Sonntag eine ungewöhnliche Betriebsamkeit rund um den Brümmerhof und das Eingangsgebäude. Sogar Fahrzeuge durften ausnahmsweise den Außenweg des Museumsdorfes hin- und herfahren, an Bord Menschen in historischen Kostümen, die so ganz ins Hösseringer Ambiente zu passen schienen. Doch nein, es handelte sich nicht um die neue Belegschaft des Museumsdorfes, sondern um Schauspieler der Gebrüder Beetz Film Produktion, die dieser Tage im Museumsdorf auf Drehtermin sind.
Die Besucher des Aktionstages waren zwar neugierig, ließen sich von den Dreharbeiten aber nicht davon abhalten, in Weberei und Schmiede selbst mit Hand anzulegen. So wie Bernhard und Ulrike Reepen, die aus dem Münsterland nach Hösseringen gekommen waren, um Erfahrungen auszutauschen. „Wir sind ehrenamtlich für den Sachsenhof, eine frühmittelalterliche Hofanlage, tätig“, erläutert Bernhard Reepen und betrachtet fachmännisch einen Brocken Eisenerz. „Wir versuchen zu zeigen, was man früher auf einem Hof alles können musste und die Eisenverarbeitung gehört dazu“, sagt er und auch Museumsschmied Hinrich Schulz lernt gerne etwas hinzu. Steine mit dem wertvollen Erz finden die Reepens oftmals beim Spaziergang am Feldrand, wo diese von den Bauern abgelegt wurden, genau wie in der Heide. „Hier wachsen die Steine auf dem Acker nach“, weiß Hinrich Schulz und facht das Schmiedefeuer noch einmal kräftig an. Er braucht das Metall allerdings nicht erst aus dem Eisenstein zu gewinnen, sondern legt eine vorbereitete Eisenstange in die Glut.

Max Schäfer aus Kirchbeutzen bei Walsrode sitzt währenddessen bei Heike Dehrmann im Kötnerhaus und probiert sich im Kartoffel-Stempeln aus. „Heute ist Oma-und-Opa-Tag“, erzählt der Achtjährige – und diesen nutzen die Drei für einen Abstecher nach Hösseringen. Eine Schnurrkatze hat er schon gebastelt und nun ist ein buntes Windlicht in Arbeit. „Ich konnte bei den Pferden sogar in die Hächselmaschiene schauen“, freut sich Max. Auch Marga Blattmann aus Bonn schaut den Fjordpferden bei der Arbeit am Göpel zu und fachsimpelt mit Dirk Kassebaum über Pferdestärken. Doch dann zieht es sie weiter ins Imkerhaus und dafür gibt es einen besonderen Grund: „Mein Vater hat in Celle Imker gelernt“, erzählt sie. Und so wird der Besuch im Museumsdorf für sie zu einer ganz persönlichen Erinnerungsreise.