Mittwoch, 31. Oktober 2018

Zuflucht in einer „ungastlichen Hütte“

Museumsdorf Hösseringen ist Drehort für einen Film über die Hugenottenvertreibung


„Ruhe bitte, wir drehen“, klingt es neben dem Hofschafstall am Brümmerhof. Der Tontechniker dreht ein paar Knöpfe, große Scheinwerfer flammen auf – und Anja Antonowicz und Isabelle Barth alias Susanne Loyal und Mechthild Vogel treten aus der Seitentür des Schafstalles, um an einem großen Holztisch Platz zu nehmen. Ein Gespräch bahnt sich an, über Verfolgung, Vertreibung und die Schwierigkeiten, eine neue Heimat zu finden. Es ist Drehtag im Museumsdorf Hösseringen: Die Gebrüder Beetz Film Produktion ist mit ihrem Team mehrere Tage lang im Museumsdorf zu Gast und arbeitet im Auftrag von NDR und ARTE an einem Film über die Verfolgung der Hugenotten im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Narrative Seuqenzen werden hierbei mit einem dokumentarischen Teil kombiniert. „Im Fokus steht das Schicksal der Familie Loyal, die es nach der Flucht aus Frankreich zunächst nach Brandenburg, dann nach Ostpreußen verschlägt“, erzählt Regisseurin Saskia Weisheit. Sie ist für den filmischen Teil zuständig und kann vielfältige Erfahrungen mit Motiven aus der Geschichte einbringen. „Historische Themen sind mein Steckenpferd“, sagt sie, bleibt in der Aufbereitung aber nicht in der Vergangenheit verhaftet: „Es ist auch ein sehr modernes Thema mit vielen Parallelen zu den Schicksalen von heutigen Flüchtlingen. Es ist spannend, wie sich die Geschichte wiederholt“.

Der Film erzählt das Schicksal der Familie Loyal, die als Anhänger des Protestantismus – sogenannte Hugenotten – im 16. und 17. Jahrhundert in Frankreich drangsaliert und unterdrückt werden. Die Verfolgungen erreichen unter Ludwig XIV. um 1685 einen Höhepunkt, der eine Fluchtwelle von mehr als 200.000Menschen innerhalb Europas, aber auch nach Übersee, auslöst. In der Lüneburger Heide wird der herzogliche Hof in Celle zu einem Sammelbecken für Flüchtlinge, denn Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig hat mit Eleonore d‘Olbreuse selbst eine Frau mit hugenottischen Wurzeln. Doch für viele Menschen ist es schwer, einen sicheren Hafen zu finden. So ergeht es auch der Film-Familie Loyal, die auf der Flucht einen Sohn verliert. 

Ein zweiter Sohn, gespielt von Chiara Vaziri, überlebt die Flucht. Und so kommt es, dass die neunjährige Chiara am Brümmerhof in Hösseringen geduldig auf ihren Einsatz wartet. „Die Dragoner wollen die Hugenotten vertreiben. Deshalb suchen wir ein neues Zuhause in Deutschland“, erzählt sie. Dieses findet Familie Loyal zeitweise in einer „ungastlichen Hütte“ – wozu der Hofschafstall in Hösseringen umdekoriert wird. Pluderhosen baumeln von einer Wäscheleine, auf Holzfässern sind Schüsseln mit Kohlköpfen drapiert und neben dem Stall steht ein Ziehbrunnen, der sonst dort nicht zu finden ist. Für Chiara ist es nicht der erste Dreh: „Ich habe schon in einigen Filmen mitgespielt“, erzählt sie. „Das ist cool, weil man viele Leute kennenlernt und neue Welten entdeckt“, meint sie und klettert auf einen alten Holzwagen am Brümmerhof.
Das Museum als Drehort hat Regisseurin Saskia Weisheit ausgesucht.“Ich war vor Jahren schon einmal auf Motivtour hier“, erinnert sie sich. Kurzerhand habe man angefragt und sei spontan aufgenommen worden. „Wir freuen uns, dass das Museumsdorf als Hintergrund für diese Filmaufnahmen gewählt wurde. Es steigert unsere Bekanntheit und macht die Museumsarbeit lebendiger“, fasst es Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm zusammen.

Montag, 29. Oktober 2018

Windlicht, Eisenerz und Drehtermin

Fast beschaulich geht die diesjährige Saison im Museumsdorf Hösseringen zu Ende. Bevor am kommenden Mittwoch noch einmal zu Stockbrotbacken, Schmieden und Führung eingeladen ist, waren auch gestern Weberei, Pferdegöpel und Schmiede in Betrieb. Doch trotz des eher ruhigen Museumstages herrschte an diesem Sonntag eine ungewöhnliche Betriebsamkeit rund um den Brümmerhof und das Eingangsgebäude. Sogar Fahrzeuge durften ausnahmsweise den Außenweg des Museumsdorfes hin- und herfahren, an Bord Menschen in historischen Kostümen, die so ganz ins Hösseringer Ambiente zu passen schienen. Doch nein, es handelte sich nicht um die neue Belegschaft des Museumsdorfes, sondern um Schauspieler der Gebrüder Beetz Film Produktion, die dieser Tage im Museumsdorf auf Drehtermin sind.
Die Besucher des Aktionstages waren zwar neugierig, ließen sich von den Dreharbeiten aber nicht davon abhalten, in Weberei und Schmiede selbst mit Hand anzulegen. So wie Bernhard und Ulrike Reepen, die aus dem Münsterland nach Hösseringen gekommen waren, um Erfahrungen auszutauschen. „Wir sind ehrenamtlich für den Sachsenhof, eine frühmittelalterliche Hofanlage, tätig“, erläutert Bernhard Reepen und betrachtet fachmännisch einen Brocken Eisenerz. „Wir versuchen zu zeigen, was man früher auf einem Hof alles können musste und die Eisenverarbeitung gehört dazu“, sagt er und auch Museumsschmied Hinrich Schulz lernt gerne etwas hinzu. Steine mit dem wertvollen Erz finden die Reepens oftmals beim Spaziergang am Feldrand, wo diese von den Bauern abgelegt wurden, genau wie in der Heide. „Hier wachsen die Steine auf dem Acker nach“, weiß Hinrich Schulz und facht das Schmiedefeuer noch einmal kräftig an. Er braucht das Metall allerdings nicht erst aus dem Eisenstein zu gewinnen, sondern legt eine vorbereitete Eisenstange in die Glut.

Max Schäfer aus Kirchbeutzen bei Walsrode sitzt währenddessen bei Heike Dehrmann im Kötnerhaus und probiert sich im Kartoffel-Stempeln aus. „Heute ist Oma-und-Opa-Tag“, erzählt der Achtjährige – und diesen nutzen die Drei für einen Abstecher nach Hösseringen. Eine Schnurrkatze hat er schon gebastelt und nun ist ein buntes Windlicht in Arbeit. „Ich konnte bei den Pferden sogar in die Hächselmaschiene schauen“, freut sich Max. Auch Marga Blattmann aus Bonn schaut den Fjordpferden bei der Arbeit am Göpel zu und fachsimpelt mit Dirk Kassebaum über Pferdestärken. Doch dann zieht es sie weiter ins Imkerhaus und dafür gibt es einen besonderen Grund: „Mein Vater hat in Celle Imker gelernt“, erzählt sie. Und so wird der Besuch im Museumsdorf für sie zu einer ganz persönlichen Erinnerungsreise.

Freitag, 26. Oktober 2018

Aktionen und Führung am Reformationstag

Zum letzten offiziellen Öffnungstag in dieser Saison, dem Reformationstag am 31. Oktober, bietet das Museumsdorf Hösseringen von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr noch einmal verschiedene Aktionen für seine Besucher an: Kinder können im Kötnerhaus Stockbrot backen und auch die historische Schmiede ist in Betrieb. Zudem findet ab 14 Uhr eine Führung „Inschriften und Zeichen an historischen Gebäuden“ statt. 

Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm wird über die Bedeutung der gekreuzten Pferdeköpfe an den Hausgiebeln, über Bibelsprüche an Häusern, wie zum Beispiel am Brümmerhof, sowie über Spuren von Volksglauben an Häusern wie etwa Bauopfer oder Masken berichten.
Giebelzierden in Form von gekreuzten Pferdeköpfen begegnen dem Besucher der Lüneburger Heide nicht nur an historischen Gebäuden, denn das Motiv wird auch heute gern als identitätsstiftend und in vielfältiger Weise verwendet. Über Ursprung und Bedeutung der Giebelzierden sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen geführt und Thesen aufgestellt worden. Gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es aber nur wenige. Zu den ältesten Nachweisen für pferdekopfähnliche Giebelzierden an Gebäuden gehören Zeltgestänge der Wikinger, die als Grabbeigabe in Norwegen gefunden wurden.

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Altes Handwerk zum Saisonausklang



Bevor im Museumsdorf Hösseringen die Saison endet, werden noch einmal alte Handwerks- und Arbeitstechniken vorgeführt. Am Sonntag, dem 28. Oktober findet von 10:30 – 17:30 Uhr ein Aktionstag statt: Eine Weberin arbeitet am historischen Webstuhl und gibt Auskunft zum Thema „Spinnen und Weben“, der Schmied führt sein Handwerk vor und der Pferdegöpel ist in Betrieb. Die kleinen Besucher können alte Arbeitsweisen in der Schmiede und am Kinderwebstuhl ausprobieren und im Kötnerhaus basteln. Um 14 Uhr findet eine Führung durch das Imkerhaus aus Eschede statt.


Donnerstag, 18. Oktober 2018

Kommt zum "Kerzen ziehen"

Am Sonnabend, dem 20. Oktober und am Sonntag, dem 21. Oktober, jeweils von 10.30 bis 16.00 Uhr, können Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Georg Zaja aus Bienenbüttel im Kötnerhaus im Museumsdorf Hösseringen auf traditionelle Weise Kerzen ziehen. 


Größere Stipplichte können auch erworben werden. Georg Zaja zeigt außerdem, wie vielseitig man die Kerzen verzieren kann. Eine Spezialität aus Schweden und Dänemark sind dreiarmige Kerzen, die unter anderem zum "Lucia-Fest" in Gebrauch waren.

Freitag, 12. Oktober 2018

Lebensqualität auf dem Dorf

Museumsdorf und Ostfalia entwickeln mit „Dorftag“ ein neues gemeinsames Lehr- und Lernformat

„Das Thema ist sehr spannend. Nach meiner Auffassung wird im Lehrbereich ‚Soziale Arbeit‘ bislang stark vom städtischen Milieu ausgegangen. Daraus schließt man dann auf den ländlichen Bereich, obwohl hier andere Voraussetzungen gegeben sind.“ Mitja Wirzbick ist Student der sozialen Arbeit an der Ostfalia Hochschule in Suderburg. An diesem Herbst-Sonnabend ist er einen Tag lang im Museumsdorf Hösseringen zu Gast – allerdings ebenfalls in Sachen Studium. Denn die Ostfalia und das Museumsdorf haben in Zusammenarbeit mit Dr. Matthias Heyder von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Dr. Klaus Hollenberg von der Landwirtschaftlichen Rentenbank zum ersten „Dorftag“ ins Museumsdorf eingeladen. Diskutiert wurden „Die Zukunft der sozialen Frage im ländlichen Raum“. „Es geht uns um die Frage, wie das Dorf als Lebensraum erhalten und zukunftsfähig gestaltet werden kann“, erläutert Prof. Dr. Dirk Plickat von der Fakultät Handel und Soziale Arbeit an der Ostfalia, der diese Veranstaltung ins Leben gerufen hat. Neben Vorträgen wurde über Herausforderungen in der sozialen Entwicklung des ländlichen Raumes und die Entwicklung von Strategien zur Förderung des sozialen Gestaltens und der Teilhabe diskutiert. Besonders am Herzen liegt dem Hochschullehrer, dass die Studierenden als spätere Fachkräfte frühzeitig in die Fachdiskussionen mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und regionaler Entwicklung eingebunden werden.
Für Rieke Bulla, Studentin im 5. Semester, bot die Veranstaltung „viele Ansätze zum Weiterdenken“. Reizvoll findet sie die Vielfalt der Aspekte, die den Studierenden mit auf den Weg gegeben wurden. „Es geht um die Lebensqualität auf dem Dorf. Wie kann diese verbessert werden und wie können wir in der Sozialen Arbeit ansetzen“, fasst sie zusammen. Erkenntnisse des „Dorftages“ werden die Studierenden in einer Hausarbeit aufarbeiten.

Allein bei der Theorie sollte es aber nicht bleiben an diesem Tag: Nach einer Informationsphase wurden in einem Planspiel realistische Strategien zur Förderung von Gemeinschaft entwickelt – ein Thema, dass hochaktuell auch in Politik und Gesellschaft diskutiert wird. So nahmen an der Veranstaltung auch der Landrat des Kreises Uelzen, Dr. Heiko Blume, Suderburgs Bürgermeister Hans-Hermann Hoff sowie Prof. Dr. Waldeer und Prof. Dr. Eger von der Ostfalia teil.
Für das Museumsdorf ist die Kooperation mit der Ostfalia eine wichtige Bereicherung. „Mit Veranstaltungen wie diesen nimmt das Museumsdorf am aktuellen Diskurs teil“, fasst es Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm zusammen. „Wir sind als Bildungseinrichtung Teil des gesellschaftlichen Lebens und es ist gut, mit vielen Akteuren im Gespräch zu sein.“


Bereits während der Veranstaltung wurden Fortsetzungen dieses neuen gemeinsamen Lehr- und Lernformates gewünscht und beschlossen. Der 2. Suderburger Dorftag ist für den 28. September 2019 geplant. Dann soll „Vertrauen als Grundlage ländlicher Entwicklung“ das Thema sein.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Alles rund um den Apfel

Am Sonntag, dem 14. Oktober findet von 10:30 Uhr bis 17:30 Uhr im Museumsdorf Hösseringen der „Apfeltag“ mit Informationen und Aktionen statt. Die Pomologin (Apfelkundlerin) Eva-Maria Heller bestimmt mitgebrachte Äpfel (bitte drei bis fünf Stück einer Sorte mitbringen) und gibt Tipps zur Pflege und Lagerung des Obstes. Säfte und andere kulinarische Produkte aus Äpfeln runden das Angebot ab. 

Kinder können Apfelsaft pressen, Apfelpfannkuchen backen und an vielen Bastelaktionen rund um den Apfel teilnehmen. Für das leibliche Wohl gibt es Apfelkuchen.

Perlmuscheln und Porzellanpüppche

Der Kunstsachverständige Dieter Müller schätzte im Museumsdorf Hösseringen

„Das Bild stammt aus einem südfranzösischen Bauernhaus. Das Haus wurde 1838 gebaut und das Bild hing bestimmt seit dieser Zeit dort“, erzählt Olaf Bruns. Der Hösseringer hatte sich das Häuschen Ende der 90er Jahre gekauft, doch „irgendwann musste ich mich davon trennen“. Die Dinge, die ihm am meisten ans Herz gewachsen waren, nahm er mit nach Hause - und so kam es, dass Olaf Bruns gestern beim
Schätztag im Museumsdorf Hösseringen geduldig im Kreis der Wartenden saß und für seine „schöne Dame aus gehobenen Kreisen“ auf eine Einschätzung des Kunstsachverständigen Dieter Müller wartete. Die bekam er auch – und seine Vermutung, dass das Bild um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, bestätigt sich. „Es handelt sich um eine Lithografie, die in einem, damals sehr verbreiteten speziellen Verfahren, gedruckt worden ist“, hat er erfahren. Vermutlich zeigt sie eine französische oder deutsche Prinzessin, welche genau, das könne man nicht sagen. Der Wert sei eher von ideeller Natur, aber das ist für Olaf Bruns in Ordnung. „Es geht mir gar nicht um den finanziellen Wert, ich möchte einfach wissen, was es mit dem Bild auf sich hat“, meint er.
Einen kleinen Schatz hat eine Dame aus Hösseringen mitgebracht: Der Familienschmuck in ihrem kleinen Kästchen entpuppt sich als Werk der 20er-Jahre, damals nicht so selten, aber dafür besonders schön, wie sie findet. Das Besondere: In die fein gearbeiteten Anhänger, vermutlich Ohringe, und die dazugehörige Brosche sind winzige Perlmuscheln eingearbeitet. Sie stammen von der Flussperlmuschel, die noch vor 100 Jahren in den Heideflüssen weit verbreitet war. „Um die Jahrhundertwende wurden die Flüsse regelrecht geplündert, um an die Perlen zu kommen“, weiß Olaf Bruns. 

Ein wenig enttäuscht kommt Klaus Schmidt aus Suderburg vom Gutachter zurück, denn seine schöne „Goldjungfrau“ wurde als reines Deko-Objekt eingestuft. „Die habe ich vor 20 Jahren in Hannover gekauft, weil ich sie so schön fand“, erzählt er. Und auch nach der fachlichen Einschätzung ist sie nicht weniger schön und wird ihren Ehrenplatz in seiner Sammlung behalten. Die ist übrigens so groß, dass Klaus Schmidt in den nächsten Jahren immer wieder zum Schätztag kommen könnte, ohne mit allen seinen Kunstwerken „durchzukommen“.

Hannelore Dittrich aus Bienenbüttel hat mit zwei Porzellanpüppchen einen „Sperrmüll-Fund“ mitgebracht. „Die schauten aus einem Karton heraus und da habe ich sie gerettet. Verkauft werden die aber nicht“, ist sie sich sicher, denn sie sind Teil ihrer umfangreichen Puppen- und Teddysammlung. „Das ist wohl das Kind in ihr“, lacht Tochter Rebekka Dittrich-Scharmweber, die während der Wartezeit schon einmal den Deckel einer Gebäckdose lüftet. Deren Alter ist kein Geheimnis, denn es ist eingraviert: 1774.
Ein wenig Geduld mussten die Gäste beim Schätztag mitbringen, doch auch für kommende Dachbodenfunde besteht Hoffnung: Im Frühjahr kommt der Sachverständige wieder.