Dienstag, 28. August 2018

Obdachlos im Imkerhaus

Neue Ausstellung im Museumsdorf Hösseringen 

Die Farbtöpfe sind beiseite geräumt und die neue Treppe kann inzwischen genutzt werden – allerdings erst einmal inoffiziell und nur von Mitarbeitern, denn die Ausstellungsräume auf dem Dachboden sind noch nicht ganz fertig. „Daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck“, erzählt Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm – denn schließlich soll die neue Ausstellung am 2. September eröffnet werden und bis dahin ist
noch einiges zu tun. Derzeit werden die Schlafkammern der Geschwister Werner und Erna von der Ohe im Dachgeschoss nach den originalen Befunden eingerichtet. Die beiden kleinen, unbeheizten Kammern sind wie das gesamte Haus im Zustand des Jahres 1951 eingerichtet und zeigen die damaligen engen Wohnverhältnisse.
Nach oben geht es allerdings über eine ganz neue Treppe, denn „Kompromisse müssen eingegangen werden, es geht ja um die Sicherheit unserer Besucher“, wie Brohms Stellvertreter, Dr. Björn Thomann, feststellt. Die alte Treppe im Eingangsbereich würde einer täglichen Nutzung nicht mehr standhalten. Oben angekommen führt der Weg erst einmal durch einen Dachraum, auf dem früher Heu und Stroh gelagert wurden. Ein alter Kinderwagen steht hier und eine selbstgebaute Haspel. „Die wurde von den Hausbewohnern aus dem Rad von einem alten Fahrrad angefertigt. Es hatte noch eine Holzfelge“, so Thomann, der sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Geschichte des Hauses beschäftigt hat. „Das Gebäude wurde 1989 mit fast vollständiger Ausstattung ins Museumsdorf Hösseringen übernommen – ein Glücksfall für uns.“ Dank der Translozierung von kompletten Wänden und Gebäudeteilen blieben zudem alle Gebrauchsspuren, die seine Bewohner hinterlassen haben und die das Gebäude so besonders lebendig machen, bewahrt.

Das kleine Fachwerkhaus ist 1844 erbaut worden. 1865 kaufte es der Berufsimker Heinrich Wilhelm Werner von der Ohe, dessen Nachfahren genau 100 Jahre lang die Imkerei im Hauptberuf ausübten. Mit dem Tod seines Enkels Werner von der Ohe im Jahr 1965 erlosch die Tradition der Heideimkerei in Eschede. Natürlich gehört zur Ausstattung auch eine Imkerwerkstatt. Deshalb und wegen seiner Herkunft wurde das Gebäude von den Museumsleuten „Imkerhaus aus Eschede“ getauft.
Die Frau des letzten Imkers Erna von der Ohe geb. Schulenburg, lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1980 hier, danach stand das Gebäude leer. Obwohl – nicht ganz, denn in den Jahren bis zur Umsetzung nach Hösseringen hatte zeitweise ein Obdachloser, dessen Identität nicht bekannt ist, hier Unterschlupf gefunden. Hunger hatte dieser wohl nicht zu beklagen, denn in der Speisekammer fand sich noch allerhand „Eingemachtes“, wovon er sich offenkundig gerne bedient hat. Auch sein Lager ist in einem Zimmer erhalten geblieben und wird in der künftigen Ausstellung gezeigt. Das Imkerhaus kann am Sonntag, dem 2. September, ab 14.00 Uhr besichtigt werden.

Montag, 27. August 2018

Ab Sonntag wird geköhlert!

Am Sonntag, 2. September beginnt bei uns im Museumsdorf der Aufbau eines Kohlemeilers. Unter Leitung des Archäologen Dr. Arne Paysen wird der Meiler mit Holz, das im Freigelände des Museumsdorfes geschlagen worden ist, aufgebaut und in Brand gesetzt. Der Meiler glüht anschließend eine Woche lang. Museumsbesucher können zuschauen und Dr. Paysen gerne ansprechen.


Köhlerhütte um 1935
aus: Rolf Hillmer, Köhler in der Lüneburger Heide, 
Suderburg 1999

Am Freitag, dem 7. September findet von 15 bis 17 Uhr eine Themenführung über die Geschichte der Köhlerei in der Lüneburger Heide statt. Dr. Arne Paysen wird über diesen wichtigen und dennoch wenig beachteten Handwerkszweig der frühen Neuzeit berichten. Köhler waren Außenseiter und galten als schmutzig, ungebildet und kauzig, weshalb man ihre Gegenwart mied. Heute geben alte Köhlerstellen einen faszinierenden Einblick in die Forst- und Waldgeschichte, lassen so manche Schriftquelle in anderem Licht erscheinen und sind weitaus spannender, als man vermuten würde. 



Aufschichten eines Meilers im Klosterforst Niebeck
aus: Rolf Hillmer, Köhler in der Lüneburger Heide, 
Suderburg 1999




Köhlerei gab es nicht nur im waldreichen Harz, sondern sie war auch in der Lüneburger Heide weit verbreitet. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es beispielsweise im Klosterforst Niebeck eine Köhlerhütte, ebenso bei Hösseringen und Bad Bevensen. Der Kohlebedarf der Schmieden sowie von Handwerk und Industrie war damals so groß, dass Holzkohle in großen Mengen produziert werden musste. Nicht weit von Ellerndorf wurde noch während des Zweiten Weltkrieges in sechs Erdmeilern Holzkohle für Kraftfahrzeuge der Firma Rheinmetall hergestellt – aus Mangel an Kraftstoff. Inzwischen ist diese alte Arbeitsweise jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten.

Freitag, 24. August 2018

Pirsch mit Detektor und Taschenlampe

Bat Night im Museumsdorf mit Aktionen für Kinder und Erwachsene

Am Sonnabend, dem 25. August findet von 18.30 Uhr bis 22 Uhr die „Bat Night“ im Museumsdorf Hösseringen statt. Im Rahmen der 22. Internationalen Fledermausnacht werden verschiedene Aktionen für Kinder und Erwachsene angeboten. Kinder dürfen sich auf Mitmachaktion wie Kinderschminken oder Basteln von Fledermausmasken freuen. Wenn es dunkel geworden ist, geht es hinaus ins
Freigelände, wo mit dem Batdetektor Fledermäuse geortet werden.
Das Museumsdorf bietet mit seinen historischen Gebäuden und dem Dorfteich gute Lebensbedingungen für Fledermäuse. Im Spätsommer ist die Chance groß, einige der nächtlichen Jäger auf Futtersuche zu entdecken, denn die Tiere haben ihre Jungen großgezogen und bereiten sich nun auf ihre Winterruhe vor. Sie jagen und fressen so viel sie können, bevor sie in etwa einem Monat ihre Winterquartiere aufsuchen.

Dienstag, 21. August 2018

Willkommen im Niedersachsenhaus

Themenführung zur Geschichte des Brümmerhofes


Eine Themenführung zur Geschichte des Brümmerhofes mit dem Leiter des Museumsdorfes Hösseringen, Dr. Ulrich Brohm, findet am Freitag, dem 24. August von 15 bis 17 Uhr statt.
Die Gebäude des Brümmerhofes stammen aus Moide im Landkreis Heidekreis und wurden im Jahr 1978 im Museumsdorf Hösseringen
wiederaufgebaut. Sie gehören zu den ersten Häusern des Museumsdorfes.
Der Brümmerhof lag als Einzelhof abseits des dörflichen Verbandes und besaß eine eigene Ackerflur. Zentrum war das große Wohnhaus, welches im Jahre 1644, vier Jahre vor dem Ende des 30-Jährigen Krieges, von Veit Brümmerhof und seiner Frau erbaut worden ist. Woher die Familie in dieser Zeit die finanziellen Mittel für solch einen repräsentativen Bau hatte, ist nicht bekannt. Vom Reichtum des Bauherrren zeugen aber nicht nur die Größe des Hauses mit seinem beeindruckenden Fachwerkgefüge und dem reichen Schnitzwerk, sondern auch die Verwendung von Backstein statt Lehm sowie die großen Glasfenster. Der Hausforscher Gerhard Eitzen bezeichnete den Brümmerhof als „Gipfelleistung des Zimmerhandwerks, ein letztes Meisterwerk in der Epoche des allgemeinen Niedergangs“.

Am Beispiel des Brümmerhofes thematisiert das Museumsdorf auch die soziale Stellung des Bauern eines Vollhofes, der im Gegensatz zum Kleinbauern ausschließlich von der Landwirtschaft leben konnte und keinen Nebenerwerb ausüben musste. Vervollständigt wird die eindrucksvolle Hofanlage durch eine Reihe von Nebengebäuden, wie dem Hofschafstall, einem Backhaus, einer Bleicherhütte und einem Lokus aus dem Zeit um 1900 aus dem Landkreis Celle.
Zudem stellt der Brümmerhof auch ein Kapitel der jüngsten Kunstgeschichte dar. Von 1933 bis 1936 lebte hier der bekannte Maler, Graphiker und Karikaturist A. Paul Weber (1893-1980). Im Auftrage des Hamburger Kaufmanns Alfred C. Toepfer, der von 1932 bis 1936 Eigentümer des Hofes war, gestaltete Weber die Inneneinrichtung neu. Spuren von Webers Wirken lassen sich in Form einzelner Bauteile, die nach seinen Entwürfen gestaltet wurden, am Haupthaus und dem Langspeicher finden.

Dienstag, 7. August 2018

Erst Au-Pair, dann Museumsdorf

Nora Hauptmann leistet ihren Freiwilligendienst in Hösseringen

Beworben hatte sie sich eigentlich für August, aber dann wurde der April daraus. „Okay, ich bin zwar gerade zurück gekommen, aber dann mache ich eben gleich weiter“, dachte sich Nora Hauptmann – und trat im Frühjahr ihren Bundesfreiwilligendienst im Museumsdorf Hösseringen an. Die junge Frau war Anfang des Jahres von einem Jahr als Au Pair in Schottland zurückgekehrt und hatte sich bei mehreren Anbietern um eine Stelle beworben. „Kurz danach wurde ich aus dem Museumsdorf angerufen und gefragt, ob ich früher könne. Da habe ich kurzerhand zugesagt“, erzählt sie. Das Jahr möchte sie nutzen, um sich beruflich zu orientieren und auch, um Erfahrungen im Arbeitsalltag zu sammeln. Das Museumsdorf hatte sie sich ausgesucht, weil sie die Vielfalt der Aufgaben reizte. „Es gibt hier so viele Richtungen, in die ich gehen kann. Ich fühle mich auch im Team sehr wohl. Besonders, weil ich selbst Verantwortung übernehmen und Ideen einbringen kann“, fasst sie zusammen. Dazu war an den Aktionstagen schon viel Gelegenheit, besonders beim „Tag der Tiere“, den Nora Hauptmann durch verschiedene Spielideen und einen eigenen Stand bereicherte. Stolz ist sie darauf, dass sie sich bei der Vorbereitung des Markttages an der Planung der Stände beteiligen konnte. „Es ist schön, dass meine Vorschläge ernst genommen werden. Ein Freiwilligenjahr im Museumsdorf ist viel mehr als ‚Kaffee-kochen’ und Hilfsarbeiten. Ich werde in alle Abläufe einbezogen.“

Derzeit stehen die Ferienaktionen im Vordergrund - und hier kann Nora Hauptmann gut ihre Erfahrungen aus der Au Pair-Zeit einbringen. „Ich habe in Schottland zwei Jungs betreut und das hat richtig viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Demnächst bei der Bat Night wird sie mit Kindern Fledermausmasken basteln. Außerdem hilft sie beim Versand von Prospekten und Plakaten oder bei der Pflege der weitläufigen Außenanlagen. Und immer wieder schaut sie am Pferch der beiden Bentheimer Schweine vorbei. Meistens holt sie dann auch gleich den Wasserschlauch heraus und gibt den Tieren frisches Wasser – nicht nur für den Trog, sondern auch für die Modderecke, in der die beiden bei der Hitze am liebsten chillen.
Im Winter wird sie öfter das Archiv und die Restaurierungswerkstatt aufsuchen - und dann ist es schon bald wieder Frühjahr und das Studium steht an. Nora Hauptmann ist sich noch nicht sicher, ob es Soziale Arbeit oder doch lieber Umwelttechnik sein soll. „Es gibt so viele Möglichkeiten. Da ist es nicht leicht, sich zu entscheiden“, meint sie. Ein bisschen Bedenkzeit bleibt ja noch.



Derzeit ist im Museumsdorf Hösseringen eine Bundesfreiwilligen-Stelle frei. Bewerbungen können per Mail eingereicht werden.

Mittwoch, 1. August 2018

„Bin gekommen, um zu bleiben“

Das Museumsdorf Hösseringen hat einen neuen stellvertretenden Leiter


Der neue zweite Mann im Museumsdorf Hösseringen heißt Dr. Björn Thomann. Der Historiker und Archäologe trat Anfang Juli als Stellvertretender Museumsleiter seinen Dienst in Hösseringen an - und neben dem Kennenlernen aller Arbeitsbereiche des Museums steht seither eine große Aufgabe im Vordergrund: die Vorbereitung der neuen Ausstellung im Haus Eschede, die im September eröffnet werden soll. „Wir sind derzeit dabei, den Ausstellungstexten den letzten Schliff zu geben“, erzählt er. „Das Konzept steht längst, aber es sind noch eine Menge Aufgaben zu erledigen.“ Auf dem Plan stünden Reparaturen am Haus wie etwa Malerarbeiten, Verfugungen an den äußeren Wänden, die Erneuerung des Bienenzaunes und Ausbauten im Inneren. Auch eine Medienstation soll in die neue Ausstellung integriert werden. Für Björn Thomann ist dies ein guter Einstieg. „Auf diesem Wege lerne ich die Strukturen des Museumsdorfes und auch die Zusammenarbeit mit dessen Partnern gleich in der Praxis kennen“, fasst er zusammen.

Wer Björn Thomann kennenlernt, würde ihn wohl für ein „waschechtes Nordlicht“ halten. Aber der 41Jährige stammt aus dem Rheinland. „Ich wurde in Sieglar, einer Kleinstadt zwischen Köln und Bonn geboren“, erzählt er. Dort, „sozusagen im Zonenrandgebiet“, ist er auch aufgewachsen. Nach dem Abitur in Bonn studierte er Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte in Trier, den Schwerpunkt legte er auf die Neuere Geschichte. „Die toten Sprachen waren nicht so mein Ding“, schmunzelt er. In der Magisterarbeit beschäftigte er sich mit der Rolle der Burschenschaften in der 1848-er Revolution. Seine Begeisterung für die Geschichte hatte er aber schon viel früher entdeckt, und das hat mit den Großeltern zu tun. „Sie erzählten mir oft von ihrem Bauernhof in Posen, den sie nach dem Krieg verlassen mussten. Ich fand das spannend und so habe ich mich an die Vergangenheit und besonders auch an die Landwirtschaftsgeschichte angenähert“, erinnert er sich. Im Garten der Großeltern begann dann auch seine museale Tätigkeit: „Ich habe ihre alten Sachen aus dem Keller geholt und ausgestellt“. Da war er sieben Jahre alt - und der weitere Lebensweg hatte eine Richtung.
Wer im Rheinland aufwächst, befasst sich selbstverständlich auch irgendwann einmal mit den Römern. Diese führten Björn Thomann zur klassischen Archäologie. Aber er kam doch immer wieder auf das Thema Landwirtschaft zurück, so auch im Rahmen seiner Dissertation, die die Entwicklungsgeschichte des agrarwissenschaftlichen Studiums im deutschsprachigen Raum und der landwirtschaftlichen Studentenverbindungen beleuchtet. In diesem Zusammenhang befasste er sich auch mit der Ebstorfer Ackerbauschule. Auf dem Weg in die Lüneburger Heide waren allerdings noch Stationen in einem kleinen Freilichtmuseum in Schönberg bei Kiel, eine einjährige praktische Tätigkeit auf einem Bio-Bauernhof, genealogische Forschungen in Innsbruck und ein Volontariat beim Landschaftsverband Rheinland zu meistern. „Die Arbeit im Freilichtmuseum hat mir besonders gefallen. Ich bin sehr froh, dass ich daran nun anknüpfen kann“, sagt er und verweist nicht nur auf die Arbeit, sondern auch auf die Region. „Hier ist viel Platz und ich kann mich in die Natur zurückziehen, wenn mir danach ist“, sagt er und freut sich schon darauf, dass seine Ehefrau und die beiden Kinder bald nachkommen. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, fasst er zusammen.