Dienstag, 7. August 2018

Erst Au-Pair, dann Museumsdorf

Nora Hauptmann leistet ihren Freiwilligendienst in Hösseringen

Beworben hatte sie sich eigentlich für August, aber dann wurde der April daraus. „Okay, ich bin zwar gerade zurück gekommen, aber dann mache ich eben gleich weiter“, dachte sich Nora Hauptmann – und trat im Frühjahr ihren Bundesfreiwilligendienst im Museumsdorf Hösseringen an. Die junge Frau war Anfang des Jahres von einem Jahr als Au Pair in Schottland zurückgekehrt und hatte sich bei mehreren Anbietern um eine Stelle beworben. „Kurz danach wurde ich aus dem Museumsdorf angerufen und gefragt, ob ich früher könne. Da habe ich kurzerhand zugesagt“, erzählt sie. Das Jahr möchte sie nutzen, um sich beruflich zu orientieren und auch, um Erfahrungen im Arbeitsalltag zu sammeln. Das Museumsdorf hatte sie sich ausgesucht, weil sie die Vielfalt der Aufgaben reizte. „Es gibt hier so viele Richtungen, in die ich gehen kann. Ich fühle mich auch im Team sehr wohl. Besonders, weil ich selbst Verantwortung übernehmen und Ideen einbringen kann“, fasst sie zusammen. Dazu war an den Aktionstagen schon viel Gelegenheit, besonders beim „Tag der Tiere“, den Nora Hauptmann durch verschiedene Spielideen und einen eigenen Stand bereicherte. Stolz ist sie darauf, dass sie sich bei der Vorbereitung des Markttages an der Planung der Stände beteiligen konnte. „Es ist schön, dass meine Vorschläge ernst genommen werden. Ein Freiwilligenjahr im Museumsdorf ist viel mehr als ‚Kaffee-kochen’ und Hilfsarbeiten. Ich werde in alle Abläufe einbezogen.“

Derzeit stehen die Ferienaktionen im Vordergrund - und hier kann Nora Hauptmann gut ihre Erfahrungen aus der Au Pair-Zeit einbringen. „Ich habe in Schottland zwei Jungs betreut und das hat richtig viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Demnächst bei der Bat Night wird sie mit Kindern Fledermausmasken basteln. Außerdem hilft sie beim Versand von Prospekten und Plakaten oder bei der Pflege der weitläufigen Außenanlagen. Und immer wieder schaut sie am Pferch der beiden Bentheimer Schweine vorbei. Meistens holt sie dann auch gleich den Wasserschlauch heraus und gibt den Tieren frisches Wasser – nicht nur für den Trog, sondern auch für die Modderecke, in der die beiden bei der Hitze am liebsten chillen.
Im Winter wird sie öfter das Archiv und die Restaurierungswerkstatt aufsuchen - und dann ist es schon bald wieder Frühjahr und das Studium steht an. Nora Hauptmann ist sich noch nicht sicher, ob es Soziale Arbeit oder doch lieber Umwelttechnik sein soll. „Es gibt so viele Möglichkeiten. Da ist es nicht leicht, sich zu entscheiden“, meint sie. Ein bisschen Bedenkzeit bleibt ja noch.



Derzeit ist im Museumsdorf Hösseringen eine Bundesfreiwilligen-Stelle frei. Bewerbungen können per Mail eingereicht werden.

Mittwoch, 1. August 2018

„Bin gekommen, um zu bleiben“

Das Museumsdorf Hösseringen hat einen neuen stellvertretenden Leiter


Der neue zweite Mann im Museumsdorf Hösseringen heißt Dr. Björn Thomann. Der Historiker und Archäologe trat Anfang Juli als Stellvertretender Museumsleiter seinen Dienst in Hösseringen an - und neben dem Kennenlernen aller Arbeitsbereiche des Museums steht seither eine große Aufgabe im Vordergrund: die Vorbereitung der neuen Ausstellung im Haus Eschede, die im September eröffnet werden soll. „Wir sind derzeit dabei, den Ausstellungstexten den letzten Schliff zu geben“, erzählt er. „Das Konzept steht längst, aber es sind noch eine Menge Aufgaben zu erledigen.“ Auf dem Plan stünden Reparaturen am Haus wie etwa Malerarbeiten, Verfugungen an den äußeren Wänden, die Erneuerung des Bienenzaunes und Ausbauten im Inneren. Auch eine Medienstation soll in die neue Ausstellung integriert werden. Für Björn Thomann ist dies ein guter Einstieg. „Auf diesem Wege lerne ich die Strukturen des Museumsdorfes und auch die Zusammenarbeit mit dessen Partnern gleich in der Praxis kennen“, fasst er zusammen.

Wer Björn Thomann kennenlernt, würde ihn wohl für ein „waschechtes Nordlicht“ halten. Aber der 41Jährige stammt aus dem Rheinland. „Ich wurde in Sieglar, einer Kleinstadt zwischen Köln und Bonn geboren“, erzählt er. Dort, „sozusagen im Zonenrandgebiet“, ist er auch aufgewachsen. Nach dem Abitur in Bonn studierte er Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte in Trier, den Schwerpunkt legte er auf die Neuere Geschichte. „Die toten Sprachen waren nicht so mein Ding“, schmunzelt er. In der Magisterarbeit beschäftigte er sich mit der Rolle der Burschenschaften in der 1848-er Revolution. Seine Begeisterung für die Geschichte hatte er aber schon viel früher entdeckt, und das hat mit den Großeltern zu tun. „Sie erzählten mir oft von ihrem Bauernhof in Posen, den sie nach dem Krieg verlassen mussten. Ich fand das spannend und so habe ich mich an die Vergangenheit und besonders auch an die Landwirtschaftsgeschichte angenähert“, erinnert er sich. Im Garten der Großeltern begann dann auch seine museale Tätigkeit: „Ich habe ihre alten Sachen aus dem Keller geholt und ausgestellt“. Da war er sieben Jahre alt - und der weitere Lebensweg hatte eine Richtung.
Wer im Rheinland aufwächst, befasst sich selbstverständlich auch irgendwann einmal mit den Römern. Diese führten Björn Thomann zur klassischen Archäologie. Aber er kam doch immer wieder auf das Thema Landwirtschaft zurück, so auch im Rahmen seiner Dissertation, die die Entwicklungsgeschichte des agrarwissenschaftlichen Studiums im deutschsprachigen Raum und der landwirtschaftlichen Studentenverbindungen beleuchtet. In diesem Zusammenhang befasste er sich auch mit der Ebstorfer Ackerbauschule. Auf dem Weg in die Lüneburger Heide waren allerdings noch Stationen in einem kleinen Freilichtmuseum in Schönberg bei Kiel, eine einjährige praktische Tätigkeit auf einem Bio-Bauernhof, genealogische Forschungen in Innsbruck und ein Volontariat beim Landschaftsverband Rheinland zu meistern. „Die Arbeit im Freilichtmuseum hat mir besonders gefallen. Ich bin sehr froh, dass ich daran nun anknüpfen kann“, sagt er und verweist nicht nur auf die Arbeit, sondern auch auf die Region. „Hier ist viel Platz und ich kann mich in die Natur zurückziehen, wenn mir danach ist“, sagt er und freut sich schon darauf, dass seine Ehefrau und die beiden Kinder bald nachkommen. „Ich bin gekommen, um zu bleiben“, fasst er zusammen.

Montag, 30. Juli 2018

Workshop »PAPIER – PRÄGUNG und RELIEF«

Ein Workshop „Papier – Prägung und Relief“ findet am Sonntag, dem 19. August von 11 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt.
Ein Spiel mit Licht und Schatten: Prägungen und Reliefs sind künstlerische Techniken der Papierbearbeitung, die sich besonders gut mit ganz eigenen, persönlichen Motiven umsetzen lassen und dadurch sehr schön für Geschenke und einzigartige Objekte geeignet sind. Mit den im Kurs selbst erstellten Prägeformen können dann Karten, Buchumschläge, Aufsteller oder
kleine Banner geprägt werden. Die Ausschitte der Prägeformen können zudem als Reliefs Verwendung finden, die für Buchdeckel oder Aufstellobjekte eingesetzt werden. Somit können auch Notizhefte mit geprägtem Umschlag und Rückenstichheftung oder papierbezogene Reliefdeckel für Faltbücher im Kurs hergestellt werden.

Die Kosten inklusive Eintritt und Material betragen 76,00 Euro. Nähere Informationen und Anmeldung bis zum 15. August 2018 bei Marlis Maehrle, Tel. (05826) 9 58 16 15, E-Mail: post@papierzeichen.de.

Freitag, 13. Juli 2018

Bei uns wird gekocht!

Wer am kommenden Sonnabend, dem 21. Juli von 13 bis 16 Uhr einmal erleben möchte, wie früher am offenen Herdfeuer eine Mahlzeit zubereitet wurde, sollte sich bis morgen noch schnell anmelden.
Im Kötnerhaus aus Bahnsen wird die Herdstelle angefeuert und nach der gemeinsamen Ernte in den Gärten des Museumsdorfes geht es ans Putzen und Kochen. Anschließend wird gemeinsam gegessen. 
Das Angebot richtet sich an Familien bis 8 Personen mit Kindern ab 6 Jahren. Die Kosten betragen 50,00 Euro plus Eintritt und Material. Anmeldung bis 14.7.2018 im Museumsdorf Hösseringen, Tel.: (05826) 1774, E-Mail: info@museumsdorf-hoesseringen.de

Donnerstag, 5. Juli 2018

Ferienkinder aufgepasst

Entdecken, Erleben und Mitmachen im Museumsdorf Hösseringen

Mit einem spannenden und vielseitigen Ferienprogramm wartet das Museumsdorf Hösseringen in den kommenden Wochen auf. Entdecken, Mitmachen, Basteln und auf Pirsch gehen heißt es für Kinder an vielen Tagen in den Sommerferien. Gemeinsam sollen alte Handwerkstechniken wie das Schmieden, Seife herstellen und Papierschöpfen ausprobiert werden. Kleine Besucher können erleben, wieviel Arbeit früher mit der „großen Wäsche“ verbunden war und gemeinsam mit ihren Eltern am Herdfeuer eine Mahlzeit zubereiten. Und was ist eigentlich im Museumsdorf los, wenn die Besucher nach Hause gegangen sind? Dies zeigt sich im Rahmen einer Führung durch das große Freigelände zur „Nächtlichen Tierwelt“.

Die Häuser und Gärten, die Werkstätten und das großzügige Freigelände mit dem gern besuchten naturnahen Spielplatz sowie die vielen unterschiedlichen Ausstellungen lohnen einen Besuch selbstverständlich auch an jedem anderen Tag. Es gibt also jede Menge Gründe, ins Museum zu kommen!


Das sind die Termine für die kommenden zwei Wochen:


Mi, 4. Juli, 12.00–14.00 Uhr
Ferienspaßaktion: Schmieden
Unter Anleitung von Schmied Peter Böttcher fertigen Kinder von 10 bis 14 Jahren in der Schmiede des Museumsdorfes kleine Stücke wie zum Beispiel Amulette an. Kosten (inklusive Eintritt und Material): 15,00 €. Anmeldung bis zum 27.6.2018 im Museumsdorf Hösseringen, Tel.: (05826) 1774, E-Mail: info@museumsdorf-hoesseringen.de

Do, 5. Juli, 13.00–15.00 Uhr
Mitmachaktion für Kinder: Seifenkugeln herstellen
Kinder stellen eine Seifenkugel mit Kräutern, Blüten und Ölen her. Für Kinder ab 5 Jahren, Dauer: ca. 30 Minuten, Kosten: 2,50 €

Di, 10. Juli, 13.00–15.00 Uhr
Ferienspaßaktion: Papier schöpfen
Mit etwas Ausdauer und Fleiß wird alte Pappe zu schönem neuen Papier. Für Kinder ab 7 Jahren, Kosten (inklusive Eintritt und Material): 6,00 €. Anmeldung bis zum 3.7.2018 im Museumsdorf Hösseringen, Tel.: (05826) 1774, E-Mail: info@museumsdorf-hoesseringen.de

Do, 12. Juli, 13.00–15.00 Uhr
Mitmachaktion: Puppen aus Papier
Aus Papier, Pappe, Stoff und viel Fantasie gestalten wir lustige Anziehpuppen. Für Kinder ab 7 Jahren, Dauer: ca. 30 Minuten, Kosten: 2,50 €

Sa, 14. Juli, 21.30–23.00 Uhr
Familienführung: „Nächtliche Tierwelt im Museumsdorf“
Mit der Natur- und Landschaftsführerin Nicola Mahnke geht es auf eine spannende Erkundungstour im Dunkeln. Fragen rund um die nächtliche Tierwelt wird mit Spaß und allen Sinnen nachgegangen. Kosten (inklusive Eintritt): 13,00 € für Kinder und Jugendliche, 16,00 € für Erwachsene. Anmeldung bis zum 12.7.2018 bei Nicola Mahnke, Tel.: (04131) 840749, E-Mail: info@naturerlebnis-mit-genuss.de (Foto: Foto: Andreas Schüring | GDT)

Mi, 18. Juli, 11.00–14.00 Uhr
Ferienspaßaktion: Schmieden
Unter Anleitung von Schmied Peter Böttcher fertigen Kinder von 10 bis 14 Jahren in der Schmiede des Museumsdorfes kleine Stücke wie zum Beispiel Amulette an. Kosten (inklusive Eintritt und Material): 15,00 € . Anmeldung bis zum 11.7.2018 im Museumsdorf Hösseringen, Tel.: (05826) 1774, E-Mail: info@museumsdorf-hoesseringen.de

Do, 19. Juli, 13.00–15.00 Uhr
Mitmachaktion: bunte Holzketten basteln
Aus Holzscheiben basteln wir ein schönes Schmuckstück. Für Kinder ab 6 Jahren, Dauer: ca. 30 Minuten, Kosten: 2,50 €

Donnerstag, 28. Juni 2018

Vom fliegenden Händler zu „Tante Emma“ und Supermarkt

Themenführung zum ländlichen Einzelhandel

Eine Führung zum Thema „Einzelhandel auf dem Lande“ mit Dr. Christine Böttcher findet am Freitag, dem 29. Juni von 15 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt. Im Rahmen des zweistündigen Rundgangs durch die Sonderausstellung werden die Entstehung und Weiterentwicklung des ländlichen Einzelhandels in der Lüneburger Heide vorgestellt.
Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Läden auf den Dörfern gegründet, zuvor war die Versorgung
des ländlichen Raumes großenteils durch den Wanderhandel ergänzt worden. Der langsam ansteigende Wohlstand und 1867 eingeführte Gewerbefreiheit machten es nun möglich, dass sich mehr und mehr Händler auf dem Dorf niederlassen konnten. Die meisten von ihnen gingen neben dem Betrieb ihres Ladens noch anderen Berufen nach. Mit den verbesserten Transportmöglichkeiten konnten seit dem 19. Jahrhundert zudem mehr Waren angeboten werden, wofür es auch Nachfrage gab. Die Konsumgewohnheiten veränderten sich, wenn auch auf dem Land langsamer als in den Städten. Es entstand der klassische ländliche Gemischtwarenladen, der sich nach den Bedürfnissen seiner Kunden ausrichtete. Fehlende Waren wurden vom Händler, oft auch mit Hilfe eines Kataloges, beschafft. Es gab außerdem mobile Ladenbesitzer, die mit ihren Waren in die Dörfer fuhren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Flüchtlinge im ländlichen Handel eine Zeit lang ein Nischendasein. Mit dem Wiederaufbau begannen umfassende Veränderungen: Die Menschen wurden mobiler – und sie mussten es auch sein, da im ländlichen Raum immer mehr Arbeitsplätze verloren gingen. Auch der Handel stellte sich um. Seit Ende der 1950er Jahre tauchten auf den Dörfern die ersten Selbstbedienungsläden auf, zunächst häufig Teil-Selbstbedienungsläden, um die Menschen an die neue Einkaufsform zu gewöhnen. Doch irgendwann hatte der sogenannte „Tante-Emma-Laden“ ausgedient, gegen Supermärkte und Discounter, die teilweise auf der grünen Wiese entstanden, kamen die kleinen Läden nicht an. Heute kommt das Internet als Konkurrenz für den örtlichen Handel hinzu. Versuche, diesem Trend etwas entgegen zu setzen und regionale Kreisläufe wieder zu beleben, gibt es seit einiger Zeit, etwa in Form von Dorfläden, die von Bürgern gemeinschaftlich betrieben werden.

Sonntag, 10. Juni 2018

In „Fünf Minuten“ in die Schlaflosigkeit

Folklore modern und traditionell beim Klangrauschkonzert im Museumsdorf Hösseringen

Auf eine Weise wie bei diesem Klangrauschkonzert im Museumsdorf Hösseringen hatten wohl noch nicht viele Zuhörer eine Harfe erklingen gehört. Genauer gesagt, zwei Böhmische Hakenharfen, gespielt von Merit Zloch und Daniela Heiderich, die gemeinsam als Duo ZIRLA ihr Publikum im vollbesetzten Haupthaus des Brümmerhofes mit fast entrückten, gleichzeitig romantischen wie expressiven Tönen verzauberten. Mittels eines „barocken Effektgerätes“ verwandelten sie die sonst so lieblich klingenden Harfen in wilde, surreale Klangkörper. Ein neu arrangiertes Stück aus einer Tanzmusik des frühen 18. Jahrhunderts und ein modernes Stück hatten die beiden Musikerinnen mitgebracht – und genau dies ist ja immer wieder das Besondere des Klangrauschkonzertes: Ungewohnte Töne und Experimente, verwoben mit vertrauten Weisen und volkstümlichen Stücken aus ganz Europa. 



Besonderer Höhepunkt diesmal war der junge, avantgardistische Musiker und Komponist Lauge Dideriksen aus Dänemark, der mit Violine und kratzendem Bogen Konventionen durchbrach und ungeahnte Hördimensionen auf ihre Ursprünge zurückführte.
Den Auftakt aber machte die Quadrillenband mit ihrer „informellen Hymne“, wie Moderator Matthias Branschke es formulierte. Gemeint ist damit das Stück „Fünf Minuten“ aus dem Repertoire der „Schwarzen Raben“, einer Musikkapelle, die bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts rund um Suderburg aufspielte. Aufbewahrt wurden die Noten von Schuhmacher Oberin, der in Suderburg seine Werkstatt hatte. „Das ist ländliche Kultur aus dieser Gegend“, so Branschke – und auf diese Weise erweitert das Klangrauschtreffen, das in diesem Jahr zum 13. Mal stattfand, immer wieder das Ausstellungsprogramm des Museumsdorfes. Denn auch Musik ist Kulturgut, wie Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm betonte. „Zur ländlichen Kulturgeschichte der Lüneburger Heide gehört auch die Musik. Wir freuen uns, dass wir diesen Aspekt im Rahmen des Klangrauschtreffens in so schöner Weise einmal im Jahr besonders betonen können“.

Auf die Lüneburger Heide oder auch Deutschland beschränkten sich die Melodien des Konzertabends allerdings wie immer nicht, denn zum Klangrauschtreffen kommen Musiker aus ganz Europa. Hermann Haertel und Simon Wäscher - gemeinsam das Duo Haertel Wascher - spielten österreichische Melodien aus alten Handschriften und der Brite Paul James ließ mit dem Dudelsack seine „geliebte Schlaflosigkeit“ auf die Zuhörer übergreifen. Wobei beim Klangspektrum des Abends ohnehin niemand Gefahr lief, von Schläfrigkeit übermannt zu werden. Schon gar nicht, als Matthias Branschke und Callum Armstrong mit ihren Dudelsäcken im Duett zu musikalischen Abenteuern aufbrachen.
Neu im Programm waren diesmal Trinklieder. Dozent Christoph Lambers konnte die Zuhörer im vollbesetzten Brümmerhof mit seiner ganz besonderen Version von Verdis Gefangenenchor begeistern: „Wir wollen so gerne einen heben, aber keiner ist da, der uns einen gibt..“, erklang es vielstimmig in der großen Diele. Aber auch daran war selbstverständlich kein Mangel an diesem Abend und so wurden nach dem Konzert gut gelaunt Stühle geschoben und die Tanzbühne für das anschließende Tanzvergnügen frei gemacht. Ein Vogelpärchen, das unbemerkt sein Nest irgendwo im Gebälk des Niedersachsenhauses gebaut hat, flatterte ob der ungewohnten nächtlichen Töne zwar hin und wieder über die Köpfe der Tanzenden, ließ sich aber ansonsten nicht weiter bei der Familienplanung stören.