Donnerstag, 22. Februar 2018

Ein Jahr Praxisluft schnuppern

Jannis Pommerien ist „Bufdi“ im Museumsdorf Hösseringen
Nach zehn Jahren Schule war es für Jannis Pommerien an der Zeit, Schulbank und Lehrbücher für einige Zeit hinter sich zu lassen und Praxisluft zu schnuppern. „Ich wollte für ein Jahr raus und habe mich in der Region umgesehen. Das Angebot des Museumsdorfes schien mir das interessanteste zu sein“, erzählt der 18-Jährige. So bewarb er sich nach dem Abschluss der Realschule um ein Jahr Bundesfreiwilligendienst in Hösseringen. Hier hat er seither in die verschiedenen Arbeitsbereiche des Freilichtmuseums Einblick gewonnen. Die Dokumentation von Sammlungsgegenständen im Magazin gehörte ebenso dazu wie Pflegemaßnahmen im Freien und die Arbeit mit den Tieren. „Ich habe im Gelände gearbeitet und die Schweine und Schnucken gefüttert. Eine richtige Vorstellung, was alles zu tun ist, hatte ich vorher nicht“, sagt er, fand es aber spannend, in vielen Bereichen tätig sein zu können. Und das ist für ein großes Freilichtmuseum wie Hösseringen charakteristisch – wer hier einen Freiwilligendienst absolviert, lernt die Bandbreite der Museumsarbeit von der Museumsverwaltung und wissenschaftlichen Forschung bis zu den handwerklichen Arbeiten kennen. Besonders spannend findet der Oldenstädter die Organisation von Veranstaltungen. Dazu ist derzeit gerade viel Gelegenheit, denn am 15. März geht es wieder los und auch in diesem Jahr sind viele Veranstaltungen geplant. 

Wenn das Jahr im Museumsdorf beendet ist, möchte Jannis Pommerien Abitur machen und anschließend studieren. Was es sein wird, weiß er noch nicht genau, vielleicht Grafikdesign. „Aber für diese Entscheidung ist ja noch Zeit“, meint er und greift sich ein merkwürdig aussehendes Röhrchen, das mit anderen Utensilien auf dem Arbeitstisch in der Dokumentationswerkstatt liegt. Ein bisschen sieht es aus wie eine selbstgeschnitzte Pfeife, aber weit gefehlt: „Das ist ein Behälter für eine
Bienenkönigin. Er wurde genutzt, um einen Schwarm anzulocken, so dass dieser dem Imker nicht verloren geht“, erläutert Marten Thomsen. Der Dokumentar ist unter Mithilfe von Jannis gerade dabei, den Bestand des Imkerhauses aus Eschede zu sichten und für die neue Dauerausstellung vorzubereiten. Sie soll im September eröffnet werden und die Geschichte der ehemaligen Bewohner des Hauses erzählen. So kommt es, dass Jannis Pommerien neben diversen Körben, Kannen und Werkzeugkisten auch eine Imkerpfeife näher untersucht. In den schmalen Aluminiumbehälter füllte man früher als Brennmaterial auch schon einmal Gras oder Sägespäne ein. Das probieren die Museumsleute aber lieber nicht aus. Statt dessen nimmt Jannis den Zollstock zur Hand und vermisst eine alte Holzkiste, in der der Imker früher Kleinwerkzeuge aufbewahrte. 



Und wenn die Besucher ab Mitte März wieder kommen und auf den Bänken und Gartenmöbeln eine kleine Ruhepause einlegen, dann dürfen sie sich im Geiste bei Jannis Pommerien bedanken. Er hat sie nämlich während der Winterpause für die neue Saison hergerichtet.