Mittwoch, 27. September 2017

Kommt zum Erntedank- und Kartoffelfest


Am Sonntag, dem 1. Oktober findet von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr das traditionelle Erntedank- und Kartoffelfest statt. Es wird gemeinschaftlich vom Museumsdorf und der Kreislandjugend Uelzen organisiert. Der musikalisch begleitete Erntedankgottesdienst beginnt um 14 Uhr und findet im Brümmerhof statt.
Vor und nach dem Gottesdienst sind an verschiedenen Stellen im Museum alte landwirtschaftliche Arbeitstechniken zu sehen. So treibt die Dampflokomobile von 1913 eine Dreschmaschine an, mit Göpelantrieb wird Stroh zum Verfüttern gehäckselt, die Schrotmühle wird betrieben und in der Schmiede raucht der Schornstein. Eine Weberin demonstriert, wie am Spinnrad Garn gesponnen wird und wie das Weben funktioniert.
Die Vorführung von Volkstänzen zeigt, dass nach der Arbeit auch noch Zeit für geselliges Leben war. Kinder können Kartoffeln sammeln, an der Sortiermaschine helfen und bei weiteren Mitmachaktionen Spaß haben. Am Lagerfeuer werden Kartoffeln geröstet und im Kötnerhaus aus Bahnsen werden am offenen Herdfeuer Apfelpfannkuchen gebacken. Auch der Kartoffeldämpfer ist in Betrieb: Die frischen heißen Kartoffeln können gleich an Ort und Stelle verkostet werden. Produkte aus der Region, Gegrilltes sowie Kaffee und Kuchen laden zu Verweilen und Genießen ein.
Und hier ein Blick auf unsere Dreschmaschine in Aktion. Also, wir sehen uns!


Freitag, 15. September 2017

Von Geschichten und Geheimnissen

Jahrmarkttheater gastierte im Museumsdorf

Wenn einer ins Theater geht, dann meist mit der Erwartung, dass vorne etwas passiert. Man sitzt gemütlich in den Rängen und schaut sich das an. Nicht so beim Jahrmarkttheater. Das bewegt seine Zuschauer nicht nur geistig, sondern auch ganz real. Mit den Szenen wechseln oft auch die Standorte und der Zuschauer folgt dem Geschehen zu Fuß. Auf diese Weise begann auch der Theaterabend im Museumsdorf
Hösseringen: Oma Sanne begrüßte ihre Gäste vor dem Eingangsgebäude und dann ging es durch das abendliche Museumsdorf in Richtung Kötnerhaus. Unterwegs war Gelegenheit, die eine oder andere Geschichte über die Häuser am Wegesrand zu hören. Und so manches Geheimnis zu erfahren. Denn dies war das Thema des Abends: Geheimnisse. Die umgaben auch die vielen Gegenstände, die die Gäste, das Team vom Museumsdorf und die Theaterleute für den Abend mitgebracht hatten. Ob geschnitztes
Besteck, Kästchen mit Milchzähnen, weiße Schuhe oder der Klöppel einer Wasserspülung – all diese Gegenstände hielten her zum Geschichten erzählen. Und das taten nicht etwa die Theaterleute, sondern die Gäste, die unter der Leitung der Drehbuchautorin Corinna Gerhards selbst zu den Akteuren des Abends wurden. „Schreiben hat immer etwas mit Geheimnissen zu tun. Der erste Punkt beim Schreiben ist das Sehen. Aber wir nehmen uns ja gar nicht mehr die Zeit, die Geschichten hinter
den Dingen zu sehen“, so die Autorin. Als erstes ging es darum, den „inneren Zensor auszuschalten“ und mittels „Flash-writing“ zu beschreiben, was "mir heute morgen passiert ist“. Und das war allerhand. Vom Hochzeitsschuh, der in den Bach geworfen wurde über die Stricksocken und den Hund Lukas bis zur Geschichte der Klospülung und das Einflugloch eines Lüneburger Stülpers ließen die Gäste ihren Gedanken freien Lauf. Genauso im zweiten Teil des Abends, der der Gruppenarbeit vorbehalten war. Nach mehrfachem Tauschhandel ging es daran, die Gegenstände in den Geschichten zusammenzuführen. Oma Sanne tauschte sich derweil mit Museumsleiter Ulrich Brohm aus. Zum Beispiel über das Thema Blau, das nicht nur Oma Sannes Lieblingsfarbe ist, sondern früher einmal als Haus- und Wandanstrich sehr beliebt war. Und darüber, dass nicht jedes Geheimnis gelüftet werden kann und sollte. Aus einem aber machten die beiden kein Geheimnis: Dies war nicht der letzte Theaterabend im Museumsdorf Hösseringen.

Dienstag, 12. September 2017

Von Pferdeköpfen, Inschriften und Zeichen


Eine Themenführung über „Inschriften und Zeichen an historischen Gebäuden“ findet am Freitag, dem 22. September von 15 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt. Der stellvertretende Museumsleiter Dr. Hauke Kutscher wird über die Bedeutung der gekreuzten Pferdeköpfe an den Hausgiebeln, über Bibelsprüche an Häusern, wie zum Beispiel am Brümmerhof, sowie über Spuren von Volksglauben an Häusern wie etwa Bauopfer oder Masken berichten.

Giebelzierden in Form von gekreuzten Pferdeköpfen begegnen dem Besucher der Lüneburger Heide nicht nur an historischen Gebäuden, denn das Motiv wird auch heute gern als identitätsstiftend und in vielfältiger Weise verwendet. Über Ursprung und Bedeutung der Giebelzierden sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen geführt und Thesen aufgestellt worden. 



Gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es aber nur wenige. Zu den ältesten Nachweisen für pferdekopfähnliche Giebelzierden an Gebäuden gehören Zeltgestänge der Wikinger, die als Grabbeigabe in Norwegen gefunden wurden, datiert in die Zeit um 830 nach Chr.. Auch auf den berühmten Teppich von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert sind Giebelzierden mit Tierköpfen in stilisierter Form zu erkennen. Die ältesten Zeugnisse aus dem heutigen Norddeutschland stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Jahr 1559 entstand das Epithaph der Familie Ellerndorf in der St. Marien-Kirche in Uelzen. Hier ist im Hintergrund ein Bauernhaus mit gekreuzten Pferdeköpfen zu sehen.
Bibelsprüche an Häusern sind insbesondere in Gegenden mit Fachwerkbauten häufig. Auch das Haupthaus des Brümmerhofes, das aus dem heutigen Heidekreis stammt, ist reich daran. Über der "Missendör" steht beispielsweise der Text Hiob 19,25 und 26: "ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER LEBET UNDER WIRD MICH HERNACH AUS DER ERDEN AVF ERWECKEN VND WERDE DAR NACH MIT DIESER MEIER HAVT UMGEBEN WERDEN VUND WERD IN MEINEM FLEISCH GOT SEHEN". Im Brauchtum der Höfe in unserer Region wurden die Toten durch die Missendör nach draußen getragen. In Richtung der sonnenlosen Nordseite verließ der Verstorbene das Haus zum letzten Mal, jedoch in der Gewissheit, dass sein Erlöser lebt, dass er Gott sehen wird. So ist der Text Hiob erklärlich.
Auch Spuren von Volksglauben finden sich am Brümmerhof-Wohnhaus. Ein schönes Beispiel ist die Neidmaske oberhalb des Wirtschaftstores, die der Abwehr böser Einflüsse diente, welche dem Haus und seinen Bewohnern durch den Neid der Vorübergehenden drohen konnten. Es handelt sich dabei nicht um eine „Thors-Maske“, wie unter dem Einfluss der germanisierender Vorstellungen behauptet wurde.

Montag, 4. September 2017

Nicht nur zum Grillen gut

Der Kohlemeiler wurde geöffnet
Dicke Rauchwolken wabern über die blühende Heidefläche, ziehen über den kleinen Kartoffelacker und ihre Reste verteilen sich schließlich zwischen den Häusern und Straßen des Museumsdorfes. Grund zur Sorge gab es am Sonntag in Hösseringen aber trotzdem nicht und die Feuerwehr musste auch nicht ausrücken. Denn die Rauchwolke entsprang dem großen Kohlemeiler, der gut bewacht und nach einer Woche Brand nun ausgenommen wurde. 
Die reiche Ernte der Holzkohle feierte das Museumsteam mit einem Köhlerfest. Möglich wurde dies dank des Engagements von Archäologe Arne Paysen, der bereits zum siebenten Mal eine Woche lang im Museumsdorf zu Gast war, um den Bau und die Funktionsweise eines Meilers zu dokumentieren und den Museumsgästen zu erläutern. „Inzwischen weiß ich, wie ein Meiler hier an diesem Standort funktioniert“, fasst er zusammen. In den sieben Durchläufen hat er gelernt, dass das Holz zur Seite des heidebewachsenen Trockentales schneller verkohlt als auf der gegenüberliegenden Seite. „Dort muss mehr geschaufelt werden und dort bricht auch der Meiler schneller ein, vermutlich, weil mehr Luftbewegung herrscht.“ Wurden in den vergangenen Jahren Nadelhölzer verkohlt, waren es diesmal Birken vom Museumsgelände, die zu nahe an den Häusern standen und ohnehin gefällt werden mussten. „Hier im Museumsdorf kann dauerhaft und nachhaltig mit dem eigenen Holz geköhlert werden“, sagt Arne Paysen, der immer wieder nach der Schippe greift, um Korb für Korb Kohle aus der rauchenden Glut zu holen.
Verköhlert wird im Museumsdorf grundsätzlich das eigene Holz. Das Interesse an dieser alten Arbeitsweise ist groß, und so kamen an diesem Sonntag nicht nur viele Gäste aus ganz Deutschland, sondern auch ein Fernsehteam, um die Arbeiten zu beobachten. 

Auch Familie Wedegärtner aus Faßberg ist angereist. „Ich habe 35 Jahre in Süddeutschland gelebt, stamme aber aus der Heide und nun sind wir wieder zurück gekommen“, erzählt Markus Wedegärtner. Besuche im Museumsdorf gehören zur Heimkehr selbstverständlich dazu. „Wir freuen uns, dass wir hier die Möglichkeit haben, die Welt von früher ein wenig kennenzulernen“, sagt Tochter Raphaela, „Weil so viel verloren geht. Mit den Berufen sterben ja nicht nur Fertigkeiten und Kenntnisse, sondern ganze Lebenswelten. Wir überlegen, wie wir mit neuen Technologien voran kommen und vergessen die alten Techniken, die doch viele Antworten parat halten.“ Es sei auch nicht dasselbe, sich das im Fernsehen oder im Internet anzuschauen, ist sich Irina Höss sicher: „Man muss das schon selbst gesehen, gefühlt und gerochen haben, um sich wirklich ein Bild machen zu können“, sagt sie. 

Inken Adrian und Wiebke Meiwald sind aus der Oldenburger Gegend angereist. „Wir finden es wichtig, die Herstellungsweise von Dingen zu erleben, weil man sich darum meist gar keine Gedanken macht“, sagen sie. „Viele Alltagsgegenstände sind so selbstverständlich für uns und ganz einfach zu haben. Aber das war nicht immer so.“ Hier im Museum erkunden die Studentinnen, wie die Menschen früher ihr Leben organisiert haben – und erfahren zudem, dass Holzkohle nicht nur zum Grillen gut ist. „Holzkohle hat sehr viele Poren, mit denen sie viele Stoffe binden kann“, erzählt Arne Paysen. Deshalb wurde sie früher auch bei Vergiftungen oder Darmproblemen angewendet. Von dieser Wirkung der Holzkohle musste zum Glück kein Museumsgast Gebrauch machen.