Donnerstag, 16. Juni 2016

Vom „fliegenden Händler“ zu „Tante Emma“ und Supermarkt

Themenführung zur neuen Sonderausstellung

Eine Führung zum Thema „Handel und Konsum auf dem Lande“ mit Dr. Christine Böttcher findet am Freitag, dem 17. Juni ab 15 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt. Im Rahmen des zweistündigen Rundgangs durch die neue Sonderausstellung werden die Entstehung und Weiterentwicklung des ländlichen Einzelhandels
in der Lüneburger Heide vorgestellt.
Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Läden auf den Dörfern gegründet, zuvor war die Versorgung des ländlichen Raumes großenteils durch den Wanderhandel ergänzt worden. Der langsam ansteigende Wohlstand und die nach und nach eingeführte Gewerbefreiheit machten es nun möglich, dass sich mehr und mehr Händler auf dem Dorf niederlassen konnten. Die meisten von ihnen gingen neben dem Betrieb ihres Ladens noch anderen Berufen nach. Mit den verbesserten

Transportmöglichkeiten konnten seit dem 19. Jahrhundert zudem mehr Waren angeboten werden, wofür es auch Nachfrage gab. Die Konsumgewohnheiten veränderten sich, wenn auch auf dem Land langsamer als in den Städten. Es entstand der klassische "Tante Emma Laden", der sich nach den Bedürfnissen seiner Kunden ausrichtete. Fehlende Waren wurden vom Händler, oft auch mit Hilfe eines Kataloges, beschafft. Es gab außerdem mobile Ladenbesitzer, die mit ihren Waren in die abgelegenen Dörfer fuhren.

Nach dem zweiten Weltkrieg fanden viele Flüchtlinge im ländlichen Handel eine Zeit lang ein "Nischendasein". Mit dem "Wiederaufbau" begannen umfassende Veränderungen: Die Menschen wurden mobiler – und sie mussten es auch sein, da im ländlichen Raum immer mehr Arbeitsplätze verloren gingen. Auch der Handel stellte sich um. Ab Ende der 1950er Jahre tauchten auf den Dörfern die ersten Selbstbedienungsläden auf, zunächst häufig "Teil-Selbstbedienungsläden", um die Menschen an die neue Einkaufsform zu gewöhnen. Doch irgendwann hatte der Tante Emma Laden ausgedient, gegen Supermärkte und Discounter, die teilweise auf der grünen Wiese entstanden, kamen die kleinen Läden nicht an. Heute kommt das Internet als Konkurrenz für den örtlichen Handel hinzu. Versuche, diesem Trend etwas entgegen zu setzen und regionale Kreisläufe wieder zu beleben, gibt es seit einiger Zeit, etwa in Form von „Dorfläden“, die von Bürgern gemeinschaftlich betrieben werden.

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