Dienstag, 14. Juni 2016

Rasende Eierkiste, Bäckerwagen und Brikettlieferung

Oldtimer-Lieferwagen-Treffen mit 1400 Gästen

Unermüdlich füttert Stefan Thielicke den ratternden Steinbrecher mit großen und kleineren Findlingen. Nach geräuschvollem Rütteln und Dröhnen poltern die Bruchstücke heraus und werden von Museumsmitarbeiter Marten Thomsen auf den wartenden Transporter geschippt. Der Dokumentar hat heute seinen ruhigen Büro-Arbeitsplatz mit dem lärmenden
Freigelände getauscht, so wie alle seine Kolleginnen und Kollegen. Denn es ist großes Treffen der Oldtimer-Lieferwagen und da wird jede Hand gebraucht. 175 Teilnehmer aus ganz Nord- und Mitteldeutschland sind mit ihren Fahrzeugen und Maschinen angereist. So wie Stefan Thielicke aus der Gegend von Rudolstadt in Thüringen. „Mein Opa hatte als Jungunternehmer um 1930 eine Firma gegründet“, erzählt er. Der Steinbrecher gehörte zur Ausstattung, aber als der Großvater nicht aus
dem Krieg zurück kam, verkaufte die Familie die Maschine an einen Bauern. „Ich habe sie dann 1995 durch Zufall bei einem Schrotthändler entdeckt und es war tatsächlich unsere“, erinnert sich Stefan Thielicke, der das Familienstück zurückkaufte und sorgfältig restaurierte. Den Werkzeugmacher packte die Sammelleidenschaft und so kamen allerhand Maschinen hinzu, mit denen er regelmäßig im Museumsdorf Station macht.

Nebenan steht Ulrich von Drathen mit seiner mobilen „Eierhandlung Kükenbusch“. „Na gut, ich bin mit dem Pick Up gekommen“, gibt er zu, sein altes Gäricke-Dreirad mit Transportkiste stand hintendrauf, denn es hätte für die Fahrt von Norderstedt nach Hösseringen doch zu lange gebraucht. Trotz 2-Gang-Sachs-Motor und zwei PS. „Davon sind nur 250 Stück gebaut worden“, weiß der Sammler. „Führerscheinfrei, zulassungsfrei, steuerfrei“ warb die Firma Gäricke 1958. Seine „rasende Eierkiste“ mit 35 hm/h
Höchstgeschwindigkeit hat von Drathen vor 21 Jahren gekauft und selbst wieder zum Rollen gebracht. Der Verkaufswagen war noch bis 1972 im Einsatz - fragt sich nur, ob mit oder ohne Führerschein.
Ob Eier-, Bäcker- oder Kohlenwagen – an diesem Sonntag rollte, rauchte und ratterte es an allen Ecken im Museumsdorf. Mehr als 1400 Besucher waren gekommen und staunten über die bunte Vielfalt. Am Weg zum Kötnerhaus war die Deutz-Straßenwalze unterwegs und verarbeitete die gerade erst hergestellten Bruchsteine. Auch Rainer Quednau aus der Wuppertaler Gegend schaut zu. „Ich bin zum ersten Mal im Museumsdorf und komme auf jeden Fall wieder“, meint er. Kein Wunder, für den pensionierten Denkmalpfleger gibt es im Museum auch ohne Oldtimertreffen viel zu sehen.
Derweil hat sich am Landhandelsschuppen ein kleiner Stau gebildet. Kartoffeln und Briketts werden angeliefert, Justus aus Oldendorf und sein Papa Wolfgang Briller sind heute die Holz- und Briketthändler.
Auch auf dem bunten Markt floriert der Handel. Es gibt Leinen, Körbe und Keramik und hin und wieder wird mit Getöse der „Lukas gehauen“. Bei den Kleintierzüchtern stehen schon einige Käfige leer. „Wir haben vor allem Zwerghühner und Kaninchen verkauft“, bilanziert Hans-Jürgen Drögemüller zufrieden.

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