Dienstag, 28. Juni 2016

Augenblicke, die Geschichten erzählen

Andreas Schüring: Steinkauz / Emsland
Fotoausstellung „Natürlich Niedersachsen“ eröffnet
Ob die Maus ahnt, was gleich passieren wird? Ruhig äugt sie von einem verwitterten Holzbalken in die Welt, ohne die drohende Gefahr wahrzunehmen, die direkt hinter ihr im Anflug ist. Nur Sekunden werden vergehen, bis der Steinkauz mit seiner noch ahnungslosen Beute davonfliegen wird. Ein Augenblick erzählt eine Geschichte - und diese kommt ganz ohne Worte aus. Die Fotografie ist ihr Medium.

Foto: Christine Kohnke-Löbert
Andreas Schüring hat den flüchtigen Moment von Jäger und Beute im Bild festgehalten. Er ist einer von 17 Fotografen, die derzeit ihre Arbeiten im Museumsdorf Hösseringen zeigen. „Natürlich Niedersachsen“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung, die seit Sonntag im Obergeschoss der Ausstellungshalle gezeigt wird. Sie erzählt viele solcher kleinen und großen Geschichten – und sie alle bleiben wortlos, verlassen sich ganz auf den Augen-Blick.
„Niedersachsen in aller Vielfalt zeigen“, das ist
Dieter Damschen: Elbe / Wendland
das Anliegen der Schau, die von der Regionalgruppe Niedersachsen der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) in Szene gesetzt worden ist. Wobei der Name „Tierfotografen“ täuscht, denn gezeigt werden auch wunderschöne Landschaftsbilder sowie Aufnahmen von Bäumen und Makroaufnahmen von Pflanzen. Die Bandbreite ist groß, ebenso wie die Blickwinkel der Fotografen. „Wir möchten Bilder zeigen, die den Betrachter vielleicht auf den Gedanken bringen zu sagen „das habe ich ja noch nie so gesehen’“, fasst Klaus Thormeier
Foto: Christine Kohnke-Löbert
von der GDT zusammen. „Diese Ausstellung passt gut zu uns ins Museum“, bestätigt auch Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. „Auch wir erzählen kleine Geschichten, fernab der ‚großen Welt’ mit dem Blick auf das Detail. Das haben die Fotografen auch getan.“
Neben der besonderen Perspektive und dem fotografischen Können geht es den Ausstellern auch darum, Pflanzen und Tiere zu zeigen, deren Lebensraum gefährdet ist. Trotz der Schönheit der Aufnahmen ist es keine heile Welt, die in den 52 Bildern präsentiert wird.
Reinhard Falk: Totengrund / Wilsede
Aber es ist eine Welt, die in besonderer Weise das Bedürfnis weckt, sie zu bewahren. Weil die Fotografien in ihrer Eindringlichkeit das Alltägliche zum Besonderen machen.
Weiträumige Landschaftsaufnahmen sind dabei, wie der Totengrund bei Wilsede. Hunderte Male fotografiert und von Reinhard Falk dennoch wieder ganz neu und einzigartig im Herbstnebel in Szene gesetzt. Oder ein Blick auf das Torfabbaugebiet bei Goldenstedt, eine karge ausgeräumte Landschaft, von Hermann Dirks in winterlichem Grau festgehalten. Kolonnenartig reihen sich die Pyramiden aus Torfquadern aneinander, scheinbar ins Unendliche weisend. Dazwischen die schnurgeraden Abbaugräben, menschliche Perfektion, die Wunden reißt.
Ruhig und scheinbar unspektakulär kommen viele der Fotos daher, aber gerade das macht ihre tiefe Wirkung und ihre besondere Schönheit aus. Die Fotos sind unbearbeitet, sie zeigen die Natur so, wie sie der Fotograf vor die Linse bekommen hat. Manche offenbaren sich auch erst auf den zweiten oder dritten Blick. Wie das Bild „Laubfrosch“ von Wilfried Vogel, das beim ersten Hinschauen lediglich einen Käfer in Nahaufnahme zeigt. Doch keine Sorge, der Frosch ist auch da.

Die Ausstellung „Natürlich Niedersachsen“ ist noch bis zum Ende der diesjährigen Saison, also bis zum 31. Oktober, im Museumsdorf Hösseringen zu sehen.

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