Dienstag, 17. Mai 2016

Von der Straße in die Ausstellung

Museum bekommt Hanomag Verkaufswagen

Auf „eigenen vier Rädern“ konnte der alte Hanomag zwar nicht mehr rollen, den Weg ins Museumsdorf meisterte er dank Tieflader kürzlich aber dennoch sehr gut. Und so steht der historische Verkaufswagen aus den 60er Jahren nun in der großen Ausstellungshalle des Museumsdorfes Hösseringen und wartet auf
seinen ersten großen Einsatz seit 27 Jahren. Der wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn derzeit legen die Museumsmitarbeiter letzte Hand an die Vorbereitungen zur Einzelhandelsausstellung, die am 29. Mai eröffnet werden soll. Auch der alte Hanomag vom Typ Matador E 1,6 to sowie ein noch älterer Wagen eines „fliegenden Händlers“ werden zu den Exponaten gehören, die über die Geschichte des ländlichen Einzelhandels in der Lüneburger Heide
erzählen.
Der Hanomag ist dem Museumsdorf im August 2015 gespendet worden. Eingesetzt wurde das Fahrzeug ab 1968 von der Schlachterei Barenschee aus Barum. Mit Kühlanlage, Tresen, Regalreihen rechts und links und kleinem Wartebereich war der Wagen ein verkleinertes Spiegelbild des Ladens im Ort. Auch das Angebot war weitgehend dasselbe. Angefahren wurden die Ortschaften Natendorf, Varendorf, Rieste, Jelmstorf, Seedorf, Kirchweyhe, Hohenbünstorf, Taetendorf-Eppensen und Vinstedt. Seine letzte
Verkaufstour startete Hans Dieter Barenschee am 21. Juli 1989.
Der alte Hanomag ist eines von vielen Zeugnissen, die in der Sonderausstellung für die Veränderung im ländlichen Einzelhandel stehen. Nach der Erholung von den Folgen des Zweiten Weltkrieges kam es zu umfassenden Veränderungen in der sozialen Struktur der Dörfer. Konzentrationsprozesse in der Landwirtschaft und die Zunahme von Berufspendlern, aber auch die Übernahme
Bufdi Julian kümmert sich um Roststellen.
städtischer Lebens- und Konsummodelle sind Beispiele dafür. Viele Läden führten Anfang der 1960er-Jahre die Selbstbedienung ein und erweiterten ihre Verkaufsfläche, stellten aber gleichzeitig ihr Warensortiment um. Manche Läden konzentrierten sich ganz auf Lebensmittel, andere wurden zu Spezialgeschäften für Haushaltswaren, Porzellan oder Geschenkartikel. Ein Teil der Lebensmittelhändler betrieben daneben Außer-Haus-Verkauf mit speziellen Liefer- und Verkaufsfahrzeugen. Seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre wurde die Konkurrenz der örtlichen Supermärkte und Discounter jedoch immer stärker und führte schließlich zur Aufgabe vieler dörflicher Einzelhandelsgeschäfte.

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