Montag, 26. Oktober 2015

Celler Dickstiel und Apfel aus Uelzen

Pomologin Eva-Maria Heller stellt Geschichte des Apfels vor
Das hätte Pomona, der Göttin der Früchte, gefallen: Rund 30 Gäste waren am Sonnabend zur (Ver)Führung rund um den Apfel ins Museumsdorf Hösseringen gekommen. Mit einem Gang durch die Häuser und Gärten des Museumsdorfes leitete Eva-Maria Heller aus Waddekath von der Geschichte des Apfels zur
Verkostung derselben über, mitgebracht hatte die Pomologin dazu reiche Ernte aus ihrem heimischen Garten - und sie machte Lust auf mehr. "Äpfel, die heute in den Supermärkten angeboten werden, kann man nicht mit verbundenen Augen am Geschmack erkennen", erläutert die Fachfrau, denn diese seien auf Haltbarkeit und Robustheit auch für lange Transportwege gezüchtet. Alte Apfelsorten dagegen schmecken nicht nur aromatisch in vielen Variationen, sondern sie sind auch gut für die Gesundheit. "Das wusste schon Hildegard von Bingen", so die Fachfrau. Dass aufgeschnittene Äpfel braun werden, sei nämlich ein gutes Zeichen. "Ein Apfel, der Säure enthält, bildet wertvolle Stoffe, die das Immunsystem unterstützen."

Rund 8000 Apfelsorten gibt es heute weltweit und einige sind auch im Museumsdorf Hösseringen heimisch. Hier widmet man sich bereits seit den 90er Jahren der Geschichte des Obstes, denn zur Präsentation alter Häuser gehören auch deren Gärten. "Auch Esskultur spiegelt Alltagskultur wider", so Eva-Maria Heller im Haus aus Oldendorf, wo in der Ausstellung Gerichte aus dem 16. Jahrhundert vorgestellt werden - und die waren nicht gerade vielseitig. Bei Grütze und wenig frischer Nahrung in den
Wintermonaten war es um so wichtiger, Obst über die kalte Jahreszeit zur Verfügung zu haben. Wie zum Beispiel den Weihnachtsapfel, der zum Nikolaus und am Heiligabend auf den Gabentellern lag. Die rote Sternrenette gehört zu diesen lange haltbaren Sorten, die bis ins Frühjahr frisch bleiben und gerne mit dem Brautapfel verwechselt werden. Die süße Renette oder der Calville sind nämlich auch rot wie die Liebe und klein - damit die Braut die Äpfel in die Hochzeitsgesellschaft
werfen kann.

Seit dem 18. Jahrhundert förderte die in Celle gegründete Königliche Landwirtschaftsgesellschaft den Obstbau in unserer Region. Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, der als König Georg der III. auf dem englischen Thron saß, förderte die Umsetzung fortschrittlicher englischer Landwirtschaftsmethoden auch in der Lüneburger Heide und aus Celle als Zentrum des Obstbaus stammt nicht nur der Celler Dickstiel, sondern auch Schiebers Taubenapfel, benannt nach Johann Ludwig Schiebler, Gründer der Celler Baumschule. Die nachhaltigste Verbreitung unter den Lokalsorten der Lüneburger Heide aber fand der Apfel aus Uelzen, auch Uelzener Kalvill, eine von dem Uelzener Postmeister Johann Heinrich Hoefft gezogene Sorte.

Nach dem Gang durch das Museumsdorf folgte die Verkostung mit dem Prinzessinnenapfel zum Auftakt, anschließend konnte Pomologin Heller noch den einen oder anderen Tipp zu mitgebrachten Apfelsorten geben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen