Montag, 20. April 2015

Blütezeit für die Landwirtschaft

Wilhelm Westermann stellt Buch vor
Seit dem vorigen Jahr ist die Schriftenreihe des Museumsdorfes um einen umfangreichen Band größer geworden: Unter dem Titel „Die Agrarreformen im Fürstentum Lüneburg. Ursprünge und Grundlagen – Durchführung und Auswirkungen, dargestellt am Beispiel des Kirchspiels Barum, Kreis Uelzen“ untersuchte Wilhelm Westermann die umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die der Prozess der

 
Agrarreformen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis um 1900 für unsere Region mit sich brachte. Der Autor stellte sein Werk kürzlich im Museumsdorf vor.

Im Zuge seiner Recherchen im Hauptstaatsarchiv Hannover sowie weiteren, auch privaten, Archiven, trug Wilhelm Westermann einen minutiös nachvollziehbaren Prozess von den ersten Gemeinheitsteilungen und Verkopplungen seit 1763 bis hin zu den Reformprogrammen des Provinzialvereins Uelzen und der Einführung der modernen Agrarwirtschaft mit Schlaglicht auf das Kirchspiel Barum zusammen. Hierbei macht er nicht nur deutlich, welche Blütezeit die sogenannte „Bauernbefreiung“ mit sich brachte, sondern räumt auch mit Fehleinschätzungen aus der Vergangenheit auf und zeigt die Vorreiterrolle im Gebiet des heutigen Landkreises Uelzen auf. 

In unserer Region sorgte der 1830 von Christian Freiherr von Hammerstein zusammen mit 42 Interessierten gegründete „Land- und Forstwirtschaftliche Provinzialverein für das Fürstentum Lüneburg“ für die Verbreitung der Erkenntnisse der modernen Landwirtschaft. Der Verein verstand sich zunächst als Lesezirkel, in dem agrarwissenschaftliche Autoren gelesen wurden, die von der damals führenden englischen Landwirtschaft beeinflusst waren. Die Schriften Albrecht Thaers waren dabei meinungsbildend.
Später wendete sich der Provinzialverein der Förderung der praktischen Landwirtschaft zu, unterstützte die gemeinsame Beschaffung von Saatgut für Futtergewächse und Getreide und seit 1838 die Zucht von modernen Viehrassen. Das waren zunächst Schweine, dann widmete man sich vermehrt der Ochsen- und Kälbermast. 



Damit einher ging der Rückgang der Heidschnuckenzucht. Die Tiere, die über Jahrhunderte in der Lüneburger Heide so verbreitet waren, dass die Region für sie namengebend wurde, waren zeitweise sogar vom Aussterben bedroht.
Außerdem widmete sich der Provinzialverein der Erschließung von Mergel-Lagern, denn man hatte erkannt, dass der kalkhaltige Ton als Dünger verwendet werden konnte. 



Ab 1837 fanden „Höferegulierungen“, in denen die Wirtschaftsweise einzelner Höfe in einem bis zu zehnjährigen Zeitraum auf die Prinzipien moderner, englisch beeinflusster Landwirtschaft umgestellt wurden, statt. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Verein 1.365 Höfe reguliert und damit Musterbetriebe geschaffen, die moderne Arbeitsprinzipien in ihrer Umgebung verbreiteten.

Abb. aus
"150 Jahre Georgsanstalt
1855 - 2005",
Hrsg. von
Hans-Ludwig Greve


Zu Ostern 1855 wurde auf der Königlichen Domäne Ebstorf unter der Leitung ihres Pächters Eduard Fischer eine der ersten Ackerbauschulen im Königreich Hannover eröffnet – ein Höhepunkt der hier kurz skizzierten Entwicklung. In den beiden Jahren zuvor waren in Uelzen und in Suderburg Wiesenbauschulen entstanden. Der Uelzener Einrichtung war allerdings nur eine kurze Lebensdauer beschieden – im Gegensatz zum Standort Suderburg, wo mit der Ostfalia Hochschule die Nachfolge-Bildungsstätte der alten Wiesenbauschule noch heute existiert.

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