Dienstag, 3. Februar 2015

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Exponate gesucht für unsere neue Ausstellung zum Thema „Kriegsgefangene als Arbeitskräfte“

Nach einer Konsolidierungsphase in diesem Jahr werden wir in 2016 mit zwei neuen Ausstellungen aufwarten. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine umfangreiche Exposition zum Thema „Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zwischen 1914 und 1918 sowie zwischen 1939 und 1945“, für die wir dringend weitere Belege und Objekte aus der Lüneburger Heide suchen. Der Einsatz von Kriegsgefangenen in den beiden Weltkriegen ist ein bislang von der Wissenschaft noch wenig erforschtes Gebiet, war aber in Kriegszeiten weit verbreitet. 

Auch auf dem Brümmerhof in Moide im heutigen Heidekreis arbeiteten mehrfach Kriegsgefangene. Die Gebäude des Brümmerhofes gehören zu den ersten, die ins Museumsdorf versetzt wurden. Ein seltenes Dokument aus dem Nachlass des Hofes ist eine Fotografie aus dem Jahre 1917, die den Belgier „Franzel“ mit Knecht Wilhelm beim Rübenverladen zeigt.
Ein Jahr zuvor war aus dem Lager Soltau ein Arthur zum Arbeiten auf den Brümmerhof geschickt worden. Er hat in der Fensterklappe des Speichers folgende Nachricht hinterlassen: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Arthur Clas(?)e, Kriegsgefangenen-Lager Soltau, Brümmerhof, den 25. März 1916 ... Adieu“
Die Identität Arthurs konnte aufgrund des nicht zu entziffernden Nachnamens nicht mehr ergründet werden, vermutlich stammte er aus Belgien. Zu diesem Zeitpunkt rechnete er wohl mit seinem Abschied aus der Gefangenschaft und freute sich darauf. 


Arbeitskräfte im Hinterland und in der Landwirtschaft fehlten in Kriegszeiten überall, was zur Folge hatte, dass die landwirtschaftliche Produktivität dramatisch zurückging. Es fehlten außerdem Futter- und Düngemittel und die beschlagnahmten Pferde und Fahrzeuge waren nicht ausreichend ersetzbar. Staatliche Bewirtschaftungsmaßnahmen bedeuteten zudem einen tiefen Eingriff in die Autonomie der landwirtschaftlichen Betriebe.
Um den Einsatz von Kriegsgefangenen möglich zu machen, wurden Vorschriften über Bewachung und Unterbringung gelockert, so dass auch kleineren Betrieben der Zugriff auf diese Arbeitskräfte ermöglicht wurde.

Zusätzlich wurden Saisonarbeiter aus den östlichen Nachbarländern mit dem Verbot der Rückkehr und des Arbeitsplatzwechsels an ihre „Arbeitgeber“ gebunden. Im Jahr 1918 waren im Landkreis Uelzen 3.200 Kriegsgefangene und 450 „Zivilarbeiter“ in der Landwirtschaft tätig, unter ihnen auch russische Gefangene, die beim Spargelstechen eingesetzt wurden. 

Die geplante Ausstellung soll ab 2016 dauerhaft im Speicher des Brümmerhofes gezeigt werden. Bislang sind in deutschen Museen insgesamt wenig Nachweise über das Thema „Einsatz von Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte“ gesammelt worden. Wir würden uns über alle Arten von Belegen, Fotos, Zeugnisse von Kontakten, die nach dem Krieg aufrecht erhalten wurden, Briefe oder auch Erzählungen freuen.
Weitere Infos unter 0 58 26 / 17 74, abends unter 0 58 51 18 50.

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