Montag, 14. April 2014

1000 Jahre alte Gene

Über der Erde sehen sie eher unspektakulär aus, unter der Erde aber verbirgt sich ein großes Geheimnis: Bis zu 1000 Jahre altes Genmaterial können sogenannte Stühbüsche enthalten. Das sind Bäume, meist Eichen, die zur Bau- und Brennholzgewinnung über einen langen Zeitraum immer wieder zurückgeschnitten wurden, ein Verfahren dass man mit "auf den Stock setzen" bezeichnet. Das Geäst wird ein Stück über der Bodenoberfläche entfernt und der stehen gebliebene Baumstumpf schlägt dann wieder aus.
Die Schößlinge aus den Wurzelstöcken bilden nach und nach Baumgruppen aus, die früher für die Lüneburger Heide typisch waren, den sogenannten "Stühbusch". Eine solche Gruppe ist aber eigentlich nur eine Pflanze, denn das immer größer werdende Wurzelwerk unter der Erde ist immer noch das des ersten Baumes. Auf diese Weise erhält sich die Erbanlage des Ursprungsbaumes über eine sehr langen Zeitraum - für uns heute ein wertvolles Zeugnis der Landschaftsgeschichte und der Entwicklung von Pflanzenpopulationen unserer Region. 
Im Jahr 2005 haben wir hier im Museumsdorf einen Stühbusch aus Eichen und Birken angelegt. Dieser soll als Anschauungsobjekt dauerhaft gepflegt werden, denn mit dem Ende der Heidebauernwirtschaft um 1900 gingen auch die Stühbüsche größtenteils verloren. Auf der Abbildung ist ein Stühbusch von Frido Witte (1881 - 1965) zu sehen. Der Soltauer Maler stellte die bizarren Baumgestalten häufig dar. 
Im Rahmen der Führung zum Thema Wald, die Tilmann Grottian als Vertretung für die erkrankte Dozentin übernommen hat, haben wir natürlich auch den Stühbusch bewundert.

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