Mittwoch, 12. Februar 2014

Eine Faser für alle Fälle


Wir geben es zu: Im Museumsdorf wird Hanf verwendet. Natürlich allen geltenden Vorschriften entsprechend und zu rein musealen Zwecken! Hanf (Cannabis) ist nämlich eine ganz wunderbare Pflanze, die seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt wird. Die ältesten Funde in Europa sind etwa 5.500 Jahre alt, sie wurden bei Ausgrabungen in Thüringen gefunden. 

Abb.: Cannabis sativa: eine Illustration aus "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz" von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé (hier: wikipedia)



In der Antike und auch im Mittelalter war Hanf eine wichtige Nutzpflanze, unter anderem zur Herstellung von Leinen. Sogar Kaiser Karl der Große erwähnt im Jahre 812 in seiner Landgüterverordnung „Capitulare de villis vel curtis imperii“ den Hanf, er nahm diesen allerdings nicht in die Liste der als verpflichtend anzubauenden Pflanzen auf. Aber auch in der Waffenherstellung wurde Hanf verwendet, etwa als reißfeste Sehne für den Langbogen. Darüber hinaus war Hanf, neben Leinen, vorrangig aus Lumpen, ein Rohstoff für die Papierproduktion. Die berühmte Gutenberg-Bibel von 1455 ist auf Hanfpapier gedruckt!
Im Jahre 1857 schreibt Spinnereidirektor C. Ancellin in seinem Buch "Der practische Flachs-, Hanf- und Wergspinner" über den Hanf: "Im Handel versteht man unter Hanf  den faserigen Theil einer Pflanze, die aus Asien stammt und jetzt in fast allen Ländern Europa's cultiviert wird. Die Cultur dieser Pflanze ist eine ergiebige Quelle des  Reichthums für die Gegenden, welche sich damit abgeben. Der holzige Theil liefert einen Gespinnststoff, aus welchem sich, seiner trefflichen Eigenschaften halber, Nähzwirn und Leinwand, und zwar sowohl zur Leibwäsche, als zu Schiffssegeln darstellen, lassen. Aus der schlechteren Qualität fertigt man Bindfaden, Stricke und  Tauwerk. Die Samenkörner des Hanfes liefern ein treffliches Oel, und die Rückstände derselben Oelkuchen, welche ein beliebtes Futter des Rindviehs sind. Es 
giebt fast kein Bodenerzeugnis, welches so vielfach zu benutzen wäre." 



Das ist doch ein Lob auf eine zu Unrecht - fast - vergessene oder gar in Verruf geratene Pflanze.

Im 20. Jahrhundert wurde der Hanf durch Kunstfasern aus vielen Lebensbereichen verdrängt, insbesondere aus der Bekleidungsherstellung. Mittlerweile ist der Hanf allerdings wieder in Mode gekommen - als natürlicher und vielseitig einsetzbarer Rohstoff, nicht nur für Kleidung, sondern auch im Bauwesen.

Auch bei uns im Museumsdorf findet Hanf Anwendung, besonders natürlich am Bau.

Fotos: In unserer Werkstatt: Restaurator Philipp Ramünke am Spinnrad.


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