Freitag, 15. Dezember 2017

Feenhaar, Eislamette und eine „Permanent Christbaum-Garnitur“

Weihnachts-Stöbern im Depot des Museumsdorfes Hösseringen

Sie brennt! Tatsächlich leuchtet die alte Lichterkette an dem kleinen Weihnachtsbäumchen auf, als Dokumentar Marten Thomsen im Depot des Museumsdorfes Hösseringen den Stecker betätigt. Ein wenig gerupft sieht der kleine künstliche Weihnachtsbaum ja aus, was kein Wunder ist, denn er ist nicht mehr der Jüngste.

In den 1990er-Jahren bei Edeka Gutkauf in Gerdau angeboten, landete er wenig später in der Sammlung des Museumsdorfes. Hier tummelt er sich mit einer ganzen Reihe an Schmuck- und Dekoartikeln, die in den vergangenen Jahrzehnten das Weihnachtsfest vieler Familien rund um Uelzen schöner machten. „Wir haben etwa 395 Datensätze zum Thema Weihnachten“, erläutert der Museumsdokumentar, gesammelt wurden Stücke aus rund 120 Jahren Weihnachtsgeschichte. 

Sie bieten einen kleinen Einblick in die Weihnachtskultur der Lüneburger Heide, die sich im Laufe der Zeit immer wieder änderte. So ist auch der Weihnachtsbaum eine eher junge Erscheinung in der Tradition der Weihnachtsbräuche. Der Lehrer und Heimatforscher Eduard Kück schreibt im Jahre 1906 über das „alte Bauernleben in der Lüneburger Heide“: „Nach alter, weithin in Deutschland bekannter Sitte legten die Kinder ihre Mützen auf den Tisch, am Morgen lagen die Gaben des Kanjes, des ‚Kind Gottes’, darin: Haselnüsse, die von den Kindern selbst im letzten Sommer gepflückt worden waren und inzwischen im Rauch gehängt hatten, Äpfel, Kanjes-Koken, die vom Bäcker aus Semmelteig gebacken waren und Männer, Frauen und Tiere darstellten, auch wohl einige braune Kuchen. Eine Beschenkung der Erwachsenen, auch der Dienstboten, ebenso ein Tannenbaum war noch unbekannt.“ Der Christabend war früher der Abend des Jahres, an dem nach Herzenslust gegessen werden konnte, deshalb wurde er in der Heide auch „Vullbuks-awend“ genannt. 

Schön machte man es sich in dieser ganz besonderen Zeit des Jahres damals offensichtlich so gerne wie heute. Jedes Jahr im Dezember werden Kisten und Kartons von Dachböden und aus versteckten Winkeln geholt, um sich an glänzenden Kugeln, vergoldeten Nüssen, Lichterketten, Engeln und Sternen das Herz zu wärmen. Ganz ähnlich sehen die Weihnachtskisten im Lager des Museumsdorfes aus. Sie dienen zwar wissenschaftlichen Zwecken, nämlich der Dokumentation von Weihnachtsbräuchen der Region, aber das Stöbern darin macht nicht weniger Spaß, als zuhause.
„Die uns bekannte Weihnachtskultur entwickelte sich ganz wesentlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Industrialisierung kam auch der verbreitete typische Weihnachtsschmuck auf“, weiß Marten Thomsen und öffnet eine weitere Kiste. 

Darin funkelt ein buntes Gewirr an Glöckchen, Zapfen und Kugeln, und an einigen weisen alte Wachsspuren darauf hin, dass sie einstmals am leuchtenden Tannenbaum hingen. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die meisten Teile dieses Bestandes aus Pappmaché sind und irgendwann mit viel Liebe zum Detail selbst gebastelt wurden. Dass an Weihnachten nicht nur in den von Eduard Kück beschriebenen Zeiten gut gegessen wurde, zeigt eine ganze Sammlung von Naschtellern, deren Dekoration die Mode der jeweiligen Herstellungszeit widerspiegelt. Es gibt nostalgisches Feenhaar, Eislametta und Schaumgold sowie jede Art von Baumkerzen bis hin zu kleinen bunten Puppenlichten. 

15 Pfennige kostete in den 1920er-Jahren „Goldflimmer zum Bestreuen des Christbaumes mit dem dazu nötigen Klebstoff“. Er stammt aus Natendorf, und die kleine Tüte zeigt ein Bildchen mit acht Kindern unter dem Weihnachtsbaum, die von vier Damen in langen Kleidern beschenkt werden. Handelt es sich um die Darstellung eines Kinderheimes? Darunter prangt als Schutzmarke ein Elefant, der wie einen Sattel die verschlungenen Buchstaben des Anbieters trägt und auf die Zeit des Kolonialwarenhandels hinweist.
Auf das Alter von einigen Exponaten weist auch die Buchstabenfolge „DRGM“ hin, eine seit 1891 übliche Kennzeichnung nach dem „Deutschen Reich-Gebrauchsmuster“, die in Zeiten der zunehmenden Industrialisierung und des gestiegenen überregionalen Warenverkehrs nationalstaatliche deutsche Interessen wahren sollte. Die Bezeichnung war noch bis 1945 üblich und ist auf kleinen Christbaumschmuck-Aufhängern ebenso zu finden wie auf einer frühen elektrischen Lichterkette, die noch einen Bakelit-Stecker und stoffumwundene Kabel hat. Angepriesen wird sie als „Permanent Christbaum-Garnitur“. Da sind die Lichter des künstlichen Bäumchens von Edeka schon moderner. Und mal ehrlich, wie er im Halbdunkel des Museumsmagazins so leuchtet, ist er irgendwie auch schön.




Das Team vom Museumsdorf Hösseringen wünscht ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr!





Montag, 13. November 2017

Lichterglanz und Handgemachtes

Rund 3000 Gäste beim Kunsthandwerkermarkt

„Die sind aus der Zeit der Dinosaurier“, ist sich Leandro sicher. Der Siebenjährige aus Räber untersucht fachmännisch Steine und Versteinerungen, die auf einem großen Tisch im Brümmerhof ausgebreitet sind – und damit wohl die ältesten Stücke darstellen, die im Museumsdorf je gezeigt wurden. Ansonsten geht
es aber nicht zu wie in der Dinosaurierzeit an diesem Sonntag in Hösseringen. Mehr als 40 Aussteller zeigten beim großen Kunsthandwerkermarkt ihre Erzeugnisse – und sie konnten bei bestem Herbstwetter knapp 3000 Besucher begeistern. So wie Anna und Günther aus Hamburg und Bevensen, die ihren geplanten Ausflug gerne mit einem Stöber-Bummel durch die historischen Häuser verknüpften. Besonders angetan haben es den Beiden die Holzfiguren, welche Säge-Künstler Andre Löbnitz aus Hösseringen zu einem kleinen Adventsdorf
aufgebaut hat. „So ein Wildschwein würde gut ins Wohnzimmer passen. Vielleicht nehmen wir eines mit“, meinen sie. Auch Wieland und Dietrich aus Suderburg begeistern sich für Sachen aus Holz. Gemeinsam mit Larissa und Annelie lassen sie sich von Drechslermeister Johann Sperl zeigen, wie aus Holzrohlingen schöne Geschenke entstehen. Die vier dürfen es selbstverständlich auch selbst ausprobieren und drehen vier kleine Kerzenhalter, „für jeden Adventssonntag einen“, sind sie sich einig. Ob sie die selbstgemachten Kerzenhalter verschenken oder doch lieber selbst behalten werden, müssen sie sich aber noch überlegen. 

Johann Sperl ist schon zum zweiten Mal beim Kunsthandwerkermarkt in Hösseringen dabei. „Es ist hier ein tolles Ambiente und eine sehr gute Stimmung. Die Zusammenarbeit passt einfach“, freut er sich über das große Interesse, besonders der Kinder. „Die Erwachsenen sind etwas zurückhaltender“, meint er. Kein Wunder, es gibt ja jede Menge zu entdecken in den festlich geschmückten alten Häusern und auf dem Gelände des Freilichtmuseums. Schmuck, Adventsdekoration, Textilien, Keramik, Papierkunst, Gestricktes und Genähtes und vieles mehr - alles handgefertigt von den Kunsthandwerkern des Kreativen Kreises Winsen/Luhe.
Christiane und Gerd Flemm aus Uetze stöbern im Lichterglanz nach farbenfrohen Handstulpen und werden auch fündig. Hündin Maja haben sie im Gewimmel lieber auf den Arm genommen. Draußen darf die kleine schwarze Vierbeinerin dann aber wieder selbst laufen. Und während sich ihre Menschen für skandinavisches Design, Metallkunst und Perlensterne begeistern, hat sie ihre eigenen Prioritäten im Auge. Oder besser in der Nase.

Bereits „alter Hase“ auf dem Kunsthandwerkermarkt ist Beate Bardowicks aus Deutsch Evern. „Die Vorbereitungen laufen eigentlich das ganze Jahr. Heute läuft es richtig gut“, lacht sie und zeigt auf ihre zarten Lichterketten. Jedes Licht besteht aus einer gefalteten Origamifigur, die sie selbst mit Wasserfarben bemalt hat. „Für ein Schirmchen braucht es 39 Faltschritte“, erläutert sie ihr ganz besonderes Hobby. Im Kötnerhaus liest Heike Dehrmann derweil am Herdfeuer alte Märchen und Sagen aus der Region vor und als an der Torscheune die große Glocke erklingt, sammeln sich große und kleine Gäste, um sich von Katharina Witerzens Jahrmarkt-Theatershow verzaubern zu lassen.

Mittwoch, 8. November 2017

Kunsthandwerk, Kleinkunst und Mitmachaktion

Vorweihnachtlicher Kunsthandwerkermarkt im Museumsdorf Hösseringen

Am 12. November 2017 findet von 10.30 bis 18.00 Uhr im Museumsdorf Hösseringen zum achten Mal der vorweihnachtliche Kunsthandwerkermarkt ein. Kunsthandwerk, Kleinkunst, Mitmachaktion für Kinder und Leckereien halten wieder Einzug ins Museumsdorf! Lichtersterne, Feuerkörbe, und weihnachtliche Beleuchtung versetzen die
Besucherinnen und Besucher in vorweihnachtliche Stimmung. In den historischen Gebäuden und in den Eingangsbereich ziehen dann für einen Tag über 40 Künstler und Kunsthandwerker mit ihren Kreationen ein.
Die vorweihnachtliche Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Kreativen Kreis Winsen/Luhe realisiert. Die Organisatorin des Kreativen Kreises, Karin Meyer-Wölk aus Adendorf, hat wieder zahlreiche Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen nach Hösseringen eingeladen, sowohl aus dem Raum Uelzen, als auch aus dem gesamten norddeutschen Bereich. Die schöne und interessante Ausstellung zeigt eine große Vielfalt unterschiedlichster Produkte, und es gibt viele kunsthandwerkliche Unikate zu entdecken. Neben Schmuck und Keramik, Wolle und bemaltem Porzellan gibt es Bekleidung aus Seide und anderen Stoffen zu sehen. Stulpen, Shirts und Ponchos, Jacken und Holzdekorationen finden sich neben Dekorationen für die Weihnachtszeit, Adventsgestecken und -kränze für Haus, Hof und Garten, Taschen und Bildern in verschiedenen Techniken.

Sicherlich bietet sich an diesem Sonntag auch schon die Möglichkeit, das eine oder andere Weihnachtsgeschenk zu erstehen, denn in diesem Jahr scheint die Vorweihnachtszeit irgendwie kürzer zu sein: Schon der vierte Advent ist Heiligabend! Für Kinder werden am Herdfeuer im Kleinbauernhaus Märchen vorgelesen. Beim Drechsler im Brümmerhof können die kleinen Besucherinnen und Besucher das Drechseln auszuprobieren und ein kleines Weihnachtsgeschenk selbst herzustellen. Beim Bummel durch das weihnachtliche Museumsdorf werden dem Besucher viele leckere Düfte in die Nase steigen. Glühwein, Waffeln, Kaffee und Kuchen, Bratwurst, Wildschweinspezialitätenspezialitäten, Burger und andere Leckereien werden angeboten.
In diesem Jahr haben sich die Organisatoren wieder etwas Neues einfallen lassen: Für Augen und Ohren gibt es Katharinas Schaubude. Die „Clownfrau“ und Solokünstlerin Katharina Witerzenz wird die Gäste mit ihren Darbietungen verzaubern. Das Team des Museumsdorfes sowie alle Künstler, Kunsthandwerker und Aussteller freuen sich auf begeisterte Besucherinnen und Besucher. Parkplätze sind vorhanden und für eine reibungslose An- und Abreise wird Sorge getragen.

Der Eintritt beträgt 4 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

Dienstag, 7. November 2017

Katharinas Schaubude kommt

Fotos: Helge Sauber
Schaurig-schöne Jahrmarktpoesie zum Kunsthandwerkermarkt im Museumsdorf
Anlässlich des vorweihnachtlichen Kunsthandwerkermarktes am Sonntag, dem 12. November kommt „Katharinas Schaubude“ nach Hösseringen. In drei Vorstellungen um 12 Uhr, um 14 Uhr und um 16 Uhr bietet Katharina Witerzens ein besonderes Spektakel rund um einen alten Schaubuden-Wagen. Sie nimmt ihr Publikum mit auf eine Zeitreise zu den alten Jahrmärkten und erweckt nicht nur die kleinwüchsige und stimmgewaltige „Prinzessin Perla“ und die asiatische Papierreißkünstlerin Ching Chang Fu zum Leben, sondern auch eine Kreatur halb Mensch und halb Tier. Erleben Sie schaurig-schöne Jahrmarktspoesie!

Katharina Witerzens
Als Katharina Witerzens mit 17 Jahren eine Vorstellung des Schweizer Clowns Pello besuchte, veränderte das ihr Leben: Nach dem Abitur ließ sie sich in Physical Theater, Schauspiel, Clown, Maskenspiel und Improvisation ausbilden. Dabei besuchte sie internationale Schulen wie das TuT in Hannover, die École Philippe Gaulier in London und Circomedia in Bristol und nahm an Workshops u.a. bei David Shiner, Familie Flöz, Peter Shub und Lassaad teil. Katharina Witerzens war lange Zeit Darstellerin in den international agierenden Theatergruppen Theater Rué Pietonne, Theater Titanick und Theater Pikante. Als Klinik-Clown ist sie in unterschiedlichen Einrichtungen tätig und arbeitet zudem als Dozentin und Workshopleiterin für Clown, Physical Theater und Humor. Mit ihrem Solo-Programm „Katharinas Schaubude“ ist sie auf Tour.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Altes Handwerk am Wochenende

Mit Vorführungen alter Handwerks- und Arbeitstechniken findet am Sonntag, dem 29. Oktober von 10:30 – 17:30 Uhr im Museumsdorf Hösseringen noch ein Aktionstag statt: Eine Weberin arbeitet am historischen Webstuhl und gibt Auskunft zum Thema „Spinnen und Weben“, der Schmied führt sein Handwerk vor, die Gattersäge und der Pferdegöpel sind in Betrieb. 


Die kleinen Besucher können bunte Lichttüten basteln sowie alte Arbeitsweisen in der Schmiede und am Kinderwebstuhl ausprobieren. Auch am Reformationstag, dem 31. Oktober, ist das Museumsdorf noch geöffnet!

Samstag, 21. Oktober 2017

Sechs Wochen Museumsluft


Jakob Krahl absolvierte Praktikum in Hösseringen

„Hier passiert viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht.“ Jakob Krahl aus Göttingen, weiß, wovon er spricht. Sechs Wochen lang hat der Student der Kulturanthropologie in Hösseringen Museumsluft geschnuppert und in dieser Zeit viele Arbeitsabläufe kennengelernt. „Ich wollte das Arbeitsfeld Freilichtmuseum kennenlernen, weil hier viele Themenbereiche bearbeitet werden“, erläutert er seine Beweggründe für die Bewerbung zum Praktikum im Museumsdorf. Und genau dies konnte er in Hösseringen auch tun. Neben der Erarbeitung einer Führung für Schulklassen recherchierte er im Archiv, in der Bibliothek und lernte das Magazin kennen. Zudem erhielt er einen Einblick in die Dokumentation und das Katalogisieren von Museumsexponaten. Inhaltlich beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Thema Zwangsarbeit in der Lüneburger Heide. Hierzu plant das Museumsdorf eine Ausstellung, für deren Vorbereitung noch viel zu tun ist. „Im Museum ergeben sich viele Zugänge zu einem Thema“, hat Jakob Krahl erfahren. „Mit einigen Objekten sind persönliche Erinnerungen und Erfahrungen verbunden, die ein Thema lebendig werden lassen. Hier ist eine gezielte Recherche über Bücher und Schriftquellen hinaus möglich.“ So hat er im Rahmen seiner Forschung auch Tagebucheinträge und Hofakten aus der Region studiert. 

Neben der wissenschaftlichen Arbeit gehörte aber auch das praktische Anpacken zu seinen Museumserfahrungen. „Wir haben Zaunpfähle gerade gerückt und die Landmaschinen gereinigt und winterfest gemacht. Eben alles, was zu tun ist“, so der Student. An der Arbeit im Freilichtmuseum schätzt er insbesondere die vielen inhaltlichen Möglichkeiten sowie das Bildungs- und Mitmachpotential. In einem Jahr wird er seine Bachelorarbeit schreiben. Wie es dann weitergeht? „Museum - das könnte ich mir gut vorstellen“, fasst er zusammen.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Kommt zum Kerzen ziehen!


Am Sonnabend, dem 21. Oktober und am Sonntag, dem 22. Oktober, jeweils von 10.30 bis 16.00 Uhr, können Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Georg Zaja aus Bienenbüttel im Kötnerhaus auf traditionelle Weise Kerzen ziehen. Größere Stipplichte können auch erworben werden. 



Georg Zaja zeigt außerdem, wie vielseitig man die Kerzen verzieren kann. Eine Spezialität aus Schweden und Dänemark sind dreiarmige Kerzen, die unter anderem zum "Lucia-Fest" in Gebrauch waren.